Falsche Verträge: Vertreter ergaunert 670.000 Euro

Panorama von Florian Burghardt

Unter anderem mit selbst abgeschlossenen Rentenversicherungen für ahnungslose Kunden und Policen für nicht vorhandene Gebäude soll ein Versicherungsvertreter abkassiert haben. Aus seinen Motiven macht er dabei anscheinend keinen Hehl.

Unter anderem mit gefälschten Renten- und Gebäudeversicherungen soll der ehemalige Vertreter 670.000 Euro an Provisionen und Boni ergaunert haben.

Unter anderem mit gefälschten Renten- und Gebäudeversicherungen soll der ehemalige Vertreter 670.000 Euro an Provisionen und Boni ergaunert haben. Bild: 422737/Pixabay

Ein besonders dreister Betrugsfall wird anscheinend gerade vor dem Landgericht Bonn aufgearbeitet. Wie der Bonner General-Anzeiger berichtet, ist dort ein ehemaliger Versicherungsvertreter angeklagt, weil er mit fingierten Policen Provisionen und interne Wettbewerbs-Boni in Höhe von rund 670.000 Euro abkassiert haben soll. Die Geschichte erinnert an einen anderen Fall, bei dem ein Vertreter sogar 1,3 Millionen Euro ergaunert haben soll.

Im aktuellen Verfahren besonders auffällig: Der ehemalige Vertreter, der seine Agentur inzwischen los ist, gibt alles offen zu und sorgt auch für Klarheit über seine Motive. Mit einem Geschäftspartner zusammen hatte er 2008 die Agentur bei dem Versicherer eröffnet, bei dem er bereits seit seiner Jugend gearbeitet hatte. Dem Bericht zufolge hatte er dann 2011 damit begonnen, Verträge zu fingieren.

Unter anderem habe er auf die Namen von Bekannten und deren Kindern private Rentenversicherungen abgeschlossen, ohne dass diese davon etwas ahnten. Für Grundstücksgesellschaften versicherte er Gebäude, die es gar nicht gab. Wie dies von Seiten der Kunden oder des Versicherers jahrelang niemand bemerken konnte, darauf wird nicht näher eingegangen.

Versicherer will die Hälfte zurück

Als eines seiner Motive für den Betrug nennt der heute 59-Jährige die Erkrankung und den damit verbundenen Arbeitsausfall seines Geschäftspartners. Nun habe er die Agentur alleine am Laufen halten müssen, schreibt der General-Anzeiger. Der Mann gab aber auch zu, dass er weiter das Ansehen als eine der besten Agenturen in den internen Vertriebs-Wettbewerben des Versicherers genießen und die damit verbundenen Bonuszahlungen erhalten wollte. Mit dem Geschäftspartner habe er das ergaunerte Geld geteilt. Dieser soll von den Betrügereien aber nichts gewusst haben, heißt es weiter.

Auf die Schliche kam dem Agenten im Januar 2014 ein anderer Vertreter, in dessen Betreuung einige seiner Kunden gewechselt waren. Gegenüber der Innenrevision des Versicherers gab der Vertreter, ein vierfacher Familienvater, alles zu. Dem Medienbericht zufolge sei er inzwischen aufgrund von Depressionen arbeitsunfähig, würde aber aus privaten Vorsorgeverträgen 4.700 Euro monatlich erhalten.

Der Versicherer, der ihn auf 672.000 Euro Schadenersatz verklagt hat, soll ihm mittlerweile angeboten haben, gegen eine Rückzahlung von 350.000 Euro in den nächsten 15 Jahren den Rest zu erlassen. Das Verfahren soll dem Bericht zufolge aber noch fortgesetzt werden. 

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