Effektivzins: Deutsche haben keine Ahnung

Sachwerte von Florian Burghardt

Effektivzins? Was ist das? Diese Fragen stellen anscheinend viele Deutsche, wie eine Umfrage des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Bremen belegt. Besonders brisant: Auch viele Kreditnehmer haben keinen Durchblick.

Der Großteil der Deutschen hat wenig bis gar keine Ahnung von der Bedeutung des Effektivzins.

Der Großteil der Deutschen hat wenig bis gar keine Ahnung von der Bedeutung des Effektivzins. Bild: Sophieja23/Pixabay

Das Geld ist billig wie nie zuvor. Entsprechend boomt das Geschäft mit Krediten. In der Hitze des Gefechts bleibt den Darlehensnehmern anscheinend immer weniger Zeit, um sich mit der Theorie und den Begrifflichkeiten rund um das Geldleihen zu beschäftigen. Dies kann unter Umständen auch unschöne Folgen haben.

So hat das Marktwächter-Team Finanzen der Verbraucherzentrale Bremen herausgefunden, dass 36 Prozent der Deutschen noch nie etwas von dem Begriff Effektivzins gehört haben. Weitere 32 Prozent haben schon einmal vom Effektivzins gehört, dessen Bedeutung aber nur teilweise verstanden. Das geht aus einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage unter 1.012 Bundesbürgern ab 18 Jahren hervor.

Auch viele Kreditnehmer ohne Plan

„Besonders erschreckend ist, dass jeder Vierte der Befragten, die den Begriff Effektivzins noch nie gehört haben, schon einmal ein Darlehen bei einer Bank oder Sparkasse aufgenommen hat“, sagte Philipp Rehberg, Teamleiter Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Bremen. Das sind immerhin 9 Prozent aller Deutschen.

Als Effektivzins wird häufig der effektive Jahreszins bezeichnet. Er steht für die jährlichen Gesamtkosten, die für ein Darlehen anfallen und wird in Prozent, bezogen auf den Darlehensbetrag, ausgedrückt. Neben den zu zahlenden Zinsen (Sollzins) umfasst er zum Beispiel auch die Beiträge für eine Restschuldversicherung, eventuelle Abschlusskosten und bei Immobiliardarlehen auch die Eintragung einer Grundschuld.

Die Marktwächter berichten beispielsweise von dem Angebot einer Bank, eine Immobilie mit einem tilgungsfreien Vorausdarlehen in Verbindung mit einem Bausparvertrag zu finanzieren. Angepriesen wurde der Sollzins in Höhe von 2,15 Prozent. Der Effektivzins betrug hingegen 3,34 Prozent, was einen Unterschied von 7.613 Euro Gebühren für den Verbraucher bedeutete. 

Nur jeder Fünfte weiß Bescheid

Dass der Effektivzins somit höher ist als der Sollzins konnten allerdings nur vier von zehn Befragten richtig beantworten. Ebenso viele Umfrageteilnehmer wussten, dass die Kreditnebenkosten im Effektivzins, aber nicht im Sollzins enthalten sind.

Immerhin 68 Prozent haben laut der Marktwächter-Umfrage die Kerneigenschaft des Effektivzins korrekt erfasst: Sofern Darlehenssumme und Laufzeit immer gleich sind, lassen sich mit ihm verschiedene Kreditangebote am besten miteinander vergleichen. Alle drei Fragen zum Effektivzins konnte jedoch nur ein Fünftel (21 Prozent) der Bürger richtig beantworten. 

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