Bierwanderung ist keine betriebliche Veranstaltung

Berater von Michael Fiedler

Ist eine Bierwanderung Betriebssport? Im Fall einer Lohnbuchhalterin aus dem Vogelbergskreis war die Antwort für das Landessozialgericht Darmstadt (AZ L 9 U 205/16) eindeutig.

Bier Arbeit Unfallversicherung Betriebsgenossenschaft

Die Teilnahme an einer Bierwanderung steht nicht unbedingt unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Fotolia / Kzenon

Die gesetzliche Unfallversicherung schützt Arbeitnehmer vor den finanziellen Folgen eines Arbeitsunfalls. Das gilt auch, wenn sich der Unfall während einer Betriebssportveranstaltung ereignete. Doch reicht allein die Teilnahme einer Fachabteilung an einer Sportveranstaltung aus? Der 9. Senat des Hessischen Landessozialgerichts befand darüber.

Bierwanderung endet mit Sturz

Eine Lohnbuchhalterin – angestellt in einer Steuerfachanwaltskanzlei mit insgesamt zehn Beschäftigten – nahm mit zwei weiteren Kolleginnen aus der Buchhaltung an einer Bierwanderung teil. Veranstalter von dem Bier-Parcours mit mehreren Stationen war ein Sportverein. Nach Ausklang der Veranstaltung stürzte die 58-Jährige und verletzte sich dabei am linken Unterarm.

Die Berufsgenossenschaft verweigerte die Anerkennung als Arbeitsunfall. Da nur ein kleiner Teil der Belegschaft an der Veranstaltung teilnahm, könne sie nicht dazu gedient haben, die Betriebsverbundenheit der Mitarbeiter zu stärken. Zudem sei die Bierwanderung, an der 2.500 Menschen teilgenommen hatten, nicht unternehmensbezogen organisiert gewesen. Vielmehr sei die Teilnahme an der Bierwanderung Privatsache der Buchhalterinnen.

Auch die Tatsache, dass der Arbeitgeber die Teilnahmegebühren übernahm und die Buchhalterinnen in Betriebskleidung teilnahmen, erweitert nicht den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Wann Betriebssport gesetzlich unfallversichert ist

Nichtsdestotrotz kann die Teilnahme an Sportveranstaltungen gesetzlich unfallversichert sein. Wichtige Voraussetzungen dafür sind:

  • Der Arbeitgeber führt die Veranstaltung als eigene betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung durch (oder lässt durchführen).
  • Die Teilnahme an der Veranstaltung muss allen Beschäftigen offenstehen und objektiv möglich sein.
  • Die Veranstaltung muss darauf abzielen, die Zusammengehörigkeit der Beschäftigten untereinander zu fördern.

Im vorliegenden Fall seien diese Voraussetzungen nicht erfüllt gewesen. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare