Assekurata mit düsterer LV-Prognose

Versicherungen Top News von Florian Burghardt

Die Zinszusatzreserve sorgt für immer größere Probleme und könnte bald viele Lebensversicherer zum Äußersten zwingen, heißt es in einer neuen Studie der Rating-Agentur Assekurata. Auch Solvency II, Fondspolicen und Digitalisierung sind darin Themen.

Geschäftsführer bei Assekurata: Dr. Reiner Will.

Geschäftsführer bei Assekurata: Dr. Reiner Will. Bild: Assekurata

Die Rating-Agentur Assekurata hat ihren vierten Marktausblick auf die deutsche Versicherungswirtschaft veröffentlicht. Anders als in den Vorjahren finden sich die Analysen und Prognosen für alle Sparten in einem Sammelreport. Die schwerste Gewichtung liegt jedoch erneut auf der Lebensversicherung. Hier sehen die Kölner Analysten die größten Herausforderungen in Solvency II, der Digitalisierung und dem Niedrigzinsumfeld.

Besonders letzteres macht den Lebensversicherern zu schaffen. Immer mehr Geld muss als Zinszusatzreserve (ZZR) hinterlegt werden, um die kostspieligen Altverträge mit hohen garantierten Verzinsungen bis hin zu 4 Prozent bedienen zu können. Allein in 2016 wurden 13 Milliarden Euro zugeführt, insgesamt beträgt der ZZR-Stand branchenweit rund 45 Milliarden Euro. Neben den Run-offs kleinerer Versicherer denken teilweise auch große Anbieter, beispielsweise die Generali Deutschland, über einen Verkauf ihrer Leben-Bestände nach.

Assekurata schätzt, dass die ZZR-Zuführungen in den nächsten Jahren noch weiter steigen werden. „Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass künftig immer mehr Lebensversicherer nach Stellung der ZZR kein positives Kapitalanlageergebnis mehr darstellen können“, kommentieren die Studienautoren. In der Branche werden die Rufe nach ZZR-Reformen lauter.

Der Zins ist anscheinend deutlich schneller gesunken als erwartet. Wie die Rating-Agentur weiter ausführt, seien Experten des GDV bei der ZZR-Einführung davon ausgegangen, dass der Referenzzins zur ZZR-Berechnung im Jahr 2018 im schlechtesten Fall bei 2,94 Prozent liegt. Diese Annahme war schon 2015 mit 2,88 Prozent unterschritten worden und für 2017 zeichnen sich 2,21 Prozent ab, wird seitens Assekurata betont. Die Prüfer appellieren an den Gesetzgeber, hierzu nach der Bundestagswahl für „zukunftsfähige Verhältnisse“ zu sorgen.

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