Zeit ist Geld: Warum sich die Betriebsunterbrechungsversicherung auch fürs Gewerbe lohnt

Gewerbe Versicherungen von JULIANE MOGHIMI

Erhebungen des GDV haben gezeigt: Etwa ein Drittel der Kosten bei Sachschäden werden durch die Betriebsunterbrechung verursacht. Trotzdem zögert vor allem der Mittelstand häufig, die Betriebsunterbrechungsversicherung abzuschließen: ein Fehler, der das Unternehmen im Ernstfall teuer zu stehen kommt.

Fotoquelle: Thomas Billerbeck, Geschäftsführer der Billerbeck GmbH

Der größte Sachschaden im Jahr 2015 war laut GDV ein Großbrand in einem Schlachthof. Der Schadensaufwand betrug – inflationsbereinigt – 265 Mio. Euro. Davon entfielen 120 Mio. Euro auf die Kosten der Betriebsunterbrechung. Das sind mehr als 45 Prozent der Gesamtsumme. Branchenübergreifende statistische Erhebungen des GDV aus den letzten 20 Jahren zeigen, dass der Anteil der Betriebsunterbrechungskosten bei Sachschäden regelmäßig etwa ein Drittel des Gesamtschadens ausmacht – und damit mehr als 400 Mio. Euro jährlich.

 

Bildquelle: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.: Schadenverhütung in der Sachversicherung 2015/2016. Bericht der GDV Sach-Schadenverhütungs-Gremien

Trotzdem ist vor allem der deutsche Mittelstand eher nachlässig, wenn es um den Abschluss einer Betriebsunterbrechungsversicherung (BUV) geht. Wie die Gothaer KMU Studie 2017 ergab, dass nur 32 Prozent der befragten Gewerbetreibenden über eine entsprechende Police verfügen. Gleichzeitig zählen die Unternehmer Vandalismus, Brände und Explosionen zu den bedrohlichsten Risiken für ihren Betrieb – also Schadensarten, die nicht selten eine Betriebsunterbrechung zur Folge haben.

Höchste Zeit also, dass sich die Makler stärker für die BUV einsetzen, so rät Thomas Billerbeck, Geschäftsführer der Billerbeck GmbH, eines unabhängigen Maklerbüros in Hannover.

"Bei der großen BUV müssen die zu versichernden Kosten, der Betriebsgewinn, die unterschiedlichen Gefahren und die Ausfallzeit zum Teil aufwendig und individuell ermittelt werden. Hier bietet die kleine BUV deutliche Vereinfachung. Ein Vorteil ist, dass die Versicherungssumme aus dem Wert der Geschäftsinhaltsdeckung als Erstrisikoversicherung abgeleitet wird und somit eine Unterversicherung nur bei nicht ausreichender Höhe der Inventardeckung entsteht. Sollte zusätzlich eine Elektronik- oder Maschinenversicherung mit Sachgefahren ohne Betriebsunterbrechungsdeckung bestehen, so ist dies bei der kleinen BUV in der Versicherungssumme mit zu berücksichtigen. Es wird aber oft vergessen.“

Wichtig, so Billerbeck, weiter, ist jedoch die Berücksichtigung des realen Versicherungsbedarfs sowie der geltenden Haftzeit: „Die Haftzeit beträgt in der Regel 12 bis 18 Monate. Die versicherten Gefahren werden meistens ebenfalls analog der Inventardeckung vereinbart. Dieses berücksichtigt aber häufig nicht den tatsächlichen Versicherungsbedarf und stellt für den Makler ein großes Haftungsrisiko dar. Gerade wenn die Versicherungssumme für den Inhalt im Verhältnis zum Umsatz stark differiert, können schnell Versicherungslücken entstehen. Der Betriebsunterbrechungsschaden kann deutlich höher als der Inventarschaden werden. Auch die Haftzeit, also die Leistungsdauer der BUV, ist von besonderer Bedeutung. Wenn Schäden – es ist nicht nur an Feuer zu denken – eine lange Betriebsschließungszeit auslösen können, zum Beispiel weil zerstörte Maschinen lange Lieferzeiten haben, können daraus erhebliche Stillstandzeiten entstehen. So kann ein Wasserschaden, verursacht durch Rohrbruch oder aber auch durch einen vorausgehenden Sturmschaden mit anschließendem Eindringen von großen Mengen Regenwasser, eine langfristige Sanierung eines Gebäudes erforderlich machen.“

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