Versicherungsbranche muss um den Nachwuchs fürchten

Versicherungen von Florian Burghardt

Bei Versicherern und Banken bleiben immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt. Ein Effekt macht den Finanzdienstleistern dabei besonders zu schaffen, wie eine Umfrage zeigt. Sie hat sich auch mit der Ausbildung von Flüchtlingen beschäftigt.

Die Finanzbranche muss um ihren Nachwuchs fürchten. Knapp ein Drittel der Unternehmen konnte in 2016 nicht alle seine Ausbildungsplätze besetzen.

Die Finanzbranche muss um ihren Nachwuchs fürchten. Knapp ein Drittel der Unternehmen konnte in 2016 nicht alle seine Ausbildungsplätze besetzen. Bild: eismannhans/Pixabay

Die Betriebe hierzulande tun sich immer schwerer damit, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Rund ein Drittel (31 Prozent) der Unternehmen hatte in 2016 nicht genug geeignete Bewerber gefunden oder aber zugesagte Lehrstellen wurden zum Ausbildungsstart nicht angetreten.

Zwar liegt dieser Wert gleichauf mit dem aus dem Vorjahr. In einigen Wirtschaftszweigen gab es aber deutliche Verschlechterungen, unter anderem im zusammengefassten Zweig Banken/Versicherungen. Das geht aus der DIHK-Ausbildungsumfrage 2017 hervor, an der 10.561 Unternehmen teilnahmen – darunter auch rund 800 Versicherer und Geldhäuser.

Die Finanzbranche liegt mit 29 Prozent noch knapp unter dem Durchschnitt, was die Nicht-Besetzung von angebotenen Ausbildungsplätzen anbelangt. In 2015 hatten allerdings nur 23 Prozent der Unternehmen unbesetzte Plätze zu beklagen. Daraus ergibt sich der drittgrößte Anstieg unter den 12 befragten Wirtschaftszweigen. In 2016 hatten sowohl der Innen- als auch der Außendienst weniger Auszubildende eingestellt als in 2015.

Studenten lassen Finanzdienstleister sitzen

Insgesamt gaben zwei Drittel aller befragten Betriebe an, nicht genug geeignete Bewerbungen zu erhalten. Die Banken und Versicherer im Speziellen werden aber von einem anderen Problem geplagt. So nannten 38 Prozent der Finanzunternehmen, die eine oder mehrere Lehrstellen nicht besetzen konnten, den Nichtantritt des zuvor ausgewählten Bewerbers als Grund. Der Wirtschaftszweig-übergreifende Durchschnitt liegt bei 22 Prozent.

Laut den Autoren der DIHK-Umfrage gibt es in der Finanzbranche deswegen so viele Nichtantritte, da überproportional viele junge Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung eingestellt werden, die sich dann doch kurzfristig für ein Studium entscheiden. Dieser Effekt setzt sich auch nach der Ausbildung fort. Während sich im Anschluss 27 Prozent aller Ausgelernten trotz Übernahmeangebot für ein Studium oder ein anders Unternehmen entscheiden, sind es bei den Banken und Versicherern 36 Prozent.

(Noch) kaum Flüchtlinge

Wie die Umfrage außerdem herausstellt, befinden sich momentan rund 15.000 Flüchtlinge in einer IHK-Ausbildung (erstes, zweites und drittes Lehrjahr zusammen). Von der Ankunft in Deutschland bis zum Beginn der Ausbildung vergingen dabei im Schnitt 19 Monate – eine Verkürzung um drei Monate im Vergleich zum Vorjahr. Dies sei ein positives Feedback für verkürzte Asylverfahren und besser abgestimmte Integrationsmaßnahmen wie Sprach- und Integrationskurse sowie Hilfe bei Wohnungs- und Ausbildungssuche, so die Autoren der Umfrage.

Sieben Prozent der befragten Unternehmen bilden derzeit Flüchtlinge aus. Vorreiter unter den Wirtschaftszweigen ist das Gastgewerbe. In 18 Prozent der Betriebe werden bereits Flüchtlinge ausgebildet. „Branchen, in denen eine hohe Sprachfertigkeit zur Ausbildung benötigt wird, sind derzeit noch unterrepräsentiert, wie zum Beispiel der Immobiliensektor, Medien oder der Bereich Banken/Versicherungen“, heißt es von Seiten des DIHK. 

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