„Ich bin einem Anlagebetrüger aufgesessen“

Sachwerte von Michael Fiedler

Nachrangdarlehen bergen ein Totalverlustrisiko. Die Schweizer Finanzaufsicht warnt vor der MDM Group, die auch deutsche Anleger mit Renditeversprechen gelockt hat.

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Nachrangdarlehen können zum Totalverlust der eingezahlten Mittel führen. Fotolia / Burlingham

Brief an die procontra-Redaktion: „Ich bin einem Anlagebetrüger aufgesessen“ – mit diesem schlichten Satz leitete ein procontra-Leser seine Zeilen an die Redaktion ein. Herr E.S. (Name ist der Redaktion bekannt) hatte einen mittleren vierstelligen Betrag aus einer abgelaufenen Lebensversicherung Anfang des Jahres investiert.
Seine Wahl fiel auf ein Unternehmen aus der Schweiz, die MDM Group aus Meggen. Laut eigenen Angaben ist dieses Unternehmen im Handel mit Rest- und Sonderposten sowie Konkursware tätig. Aber auch Immobiliengeschäfte in der Türkei gehören laut Selbstdarstellung zum Portfolio.

Anleger E.S. investierte in ein Nachrangdarlehen mit 60 Tagen Laufzeit. Die versprochene Rendite lag bei ca. 10 Prozent. Auf der Webseite der MDM Group ist von bis zu 20 Prozent Rendite zu lesen.
Nach Ablauf der 60 Tage erfolgte aber keine Rückzahlung. Stattdessen wurde E.S. immer wieder vertröstet; ihm wurde angeboten, den Wert der Darlehen in Aktien des Unternehmens zu erhalten. Immerhin plante das Unternehmen einen Börsengang in 2017. Anfragen liefen ins Leere – irgendwann meldete sich gar niemand mehr und das Unternehmen „stellte sich tot“ wie es E.S. ausdrückt.

Finanztest warnt vor MDM

Inzwischen waren mehrere Akteure auf die Schweizer aufmerksam geworden. Im April warnte Finanztest vor der MDM Group. „MDM Group AG: Keine sichere Anlage“ ist die Meldung der Verbraucherschützer überschrieben. Obwohl die Firma u.a. mit 10 Jahren Erfahrung und Markttätigkeit wirbt, räumte eine Sprecherin gegenüber Finanztest ein, dass die Firma erst im April 2016 ihren Geschäftsbetrieb aufgenommen hat und deshalb „noch keine Jahresabschlüsse oder Geschäftsberichte einreichen“ konnte. Finanztest setzte das Unternehmen daraufhin auf die Warnliste.

FINMA setzt MDM auf Warnliste

Auch die Schweizer Finanzmarktaufsichtsbehörde FINMA führt die MDM Group seit dem 08.06.2017 auf ihrer Warnliste. Aber was heißt das genau? Wer in der Schweiz Publikumsgelder einsammeln will, braucht dafür eine Banklizenz. Die Aufsichtsbehörde prüft, ob alle dafür erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Kann dieses Prüfverfahren nicht abgeschlossen werden – beispielsweise, weil sich eine Firma nicht auf Anfragen der FINMA zurückmeldet, wird das Unternehmen auf die Warnliste gesetzt. „Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Tätigkeit der Personen oder Unternehmen auf der Warnliste illegal ist“, so ein Sprecher der FINMA gegenüber procontra. Letztlich bedeutet der Eintrag auf der Warnliste „nur“, dass die FINMA ihre Prüfverfahren nicht abschließend bearbeiten konnte, weil die Betroffenen ihren Auskunftspflichten nicht nachgekommen sind oder Falschangaben gemacht haben.

Wann Anleger mit ihren Rückzahlungen rechnen können, wann und ob es den geplanten Börsengang gibt, war nicht zu erfahren. Für Nachfragen war die MDM Group telefonisch nicht zu erreichen – schriftliche Antworten auf die procontra-Anfrage stehen derzeit noch aus.

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