GRV: 19,1 Prozent ab 2022

Versicherungen von Michael Fiedler

Um die Mindestausstattung der Deutschen Rentenversicherung zu gewährleisten, müsse der Beitragssatz ab 2022 auf 19,1 Prozent steigen, so Annelie Buntenbach. Um Altersarmut gezielt zu vermeiden, sollte auch eine obligatorische Alterssicherung für Selbständige eingeführt werden.

Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund

Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, kritisiert die vorzeitige Angleichung der Ost/West-Renten. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Kanzlerin Angela Merkel erteilte auf dem Tag der Deutschen Industrie in Berlin (20.07.2017) einer großen Rentenreform eine Absage. Die gesetzliche Rente sei finanziell gut aufgestellt und bis 2030 stabil. Bis dahin seien alle Reformschritte gemacht, „die ich für nötig halte“, so die Kanzlerin. Auch das Wahlprogramm der Union bleibt bis auf wenige Ausnahmen eher im vagen.

Finanzlage (noch) stabil

Doch wie sieht das der Deutschen Rentenversicherung Bund selbst? Gelegenheit, das einzuschätzen, bestand auf der Bundesvertreterversammlung (29.06.2017, Augsburg). Annlie Buntenbach, Vorsitzende im Bundesvorstand, sprach zur Finanzsituation der GRV. Sie sagte, dass der Beitragssatz zur GRV ab 2022 auf 19,1 % steigen müsse. Nur so sei die Mindestausstattung i.H.v. 0,2 Monatsbeiträgen zu gewährleisten.

Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung Bund, verwies auf die Rentenangleichung in Ost und West und Leistungsverbesserungen bei den Erwerbsminderungsrenten kurz vor dem Ende der Legislaturperiode. Allerdings ergäben sich daraus auch erhebliche Mehrausgaben für die Rentenversicherung, welche im Wesentlichen von den Beitragszahlern und Rentnern selbst finanziert würden.
Die Rentenversicherung hält an der bereits geäußerten Kritik fest: Die Ausweitung der Kindererziehungszeiten sei fehlfinanziert und die Angleichung der Ost/West-Renten bis 2025 sei vorzeitig.

Entwicklung der Rentenhöhen „erfreulich“

Als „erfreulich“ bezeichnete Roßbach die Entwicklung der Rentenhöhen in den letzten vier Jahren. So sei der durchschnittliche Zahlbetrag der Erwerbsminderungsrenten seit 2013 von 613 Euro auf 697 Euro monatlich im Jahr 2016 gestiegen. Auch habe sich der aktuelle Rentenwert von 2013 bis 2016 im Westen um 8,2 Prozent und im Osten um 11,3 Prozent erhöht. Gleichzeitig sei der Verbraucherpreisindex in diesen Jahren nur um rund 3,2 Prozent gestiegen. „Die Bestandsrentner haben also heute mehr in der Tasche als zu Beginn der Legislaturperiode“, so Roßbach.

DRV: Alterssicherung für Selbstständige stärken

„Wir werden auch über den Zeitraum bis 2030 hinaus Festlegungen brauchen, welche Entwicklung von Beitragssatz und Rentenniveau gesellschaftlich tolerierbar ist“, sagte Roßbach und mahnte zugleich, dass die Belastungen des demografischen Wandels gemeinsam von allen Beteiligten und nicht nur von einer Gruppe allein geschultert werden könnten.

Auch die gezielte Vermeidung von Altersarmut zähle laut Roßbach zu den künftigen Herausforderungen. Sie forderte in diesem Zusammenhang erneut eine obligatorische Alterssicherung für Selbständige und verwies auf die bereits vorhandenen Strukturen der gesetzlichen Rentenversicherung. Roßbach regte an, dass aus ihrer Sicht auch noch einmal über die Möglichkeit einer zusätzlichen Absicherung im Rahmen der Rentenversicherung nachgedacht werden sollte. Dies gelte insbesondere, wenn ein erheblicher Teil der Versicherten sich auf Dauer nicht zu einer kapitalgedeckten Zusatzvorsorge entschließe.

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