GDV und BVK: PEPP taugt nicht zur Altersvorsorge

Berater von Michael Fiedler

Eine Europa-Rente könnte die Europäische Idee stärken, für Rückhalt in der Bevölkerung sorgen und helfen, Altersarmut zu vermeiden. Doch der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sind nicht angetan von den Plänen. Was die Verbände kritisieren.

BVK-Präsident Michael Heinz kritisiert PEPP

BVK-Präsident Michael Heinz kritisiert PEPP Bild: procontra-Archiv

Einfach, transparent, übertragbar: So stellt sich die Europäische Kommission eine europaweite private Altersvorsorge vor, für die sie in der vergangenen Woche die Grundzüge vorgestellt hat. „PEPP“ – so die griffige Kurzform für das Pan-European Personal Pension Product – soll europaweit abschließbar sein, den Kunden fünf wählbare Risikoklasse bieten und in Konkurrenz zu nationalen Altersvorsorge-Angebote treten, beispielsweise zur Riester-Rente (die Details können Sie hier nachlesen).

Nach der Bekanntgabe der wesentlichen Grundzüge hatten sich zuerst die Befürworter der Pläne öffentlich zu Wort gemeldet. Nun, eine Woche später, mehren sich die Stimmen der Kritiker. „Wir bezweifeln, dass die standardisierten PEPP attraktiver für die Bürger sind, als bereits bestehende Angebote über Riester, Rürup und private Renten- sowie Lebensversicherungen“, warf nun Michael Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) kritisch ein. Die bisherigen Angebote würden in Deutschland großes Vertrauen genießen, was 90 Millionen abgeschlossene Lebensversicherungen beweisen, so Heinz. „Außerdem verkomplizieren die PEPP die ohnehin schon komplexen Durchführungswege in der betrieblichen Altersvorsorge.“

Angezweifelt wird auch einer der vermeintlich größten Pluspunkte der PEPP. Durch die EU-Rente soll es nämlich möglich sein, dass die Kunden ihren Vertrag beim Umzug in eine anderes EU-Land behalten können.
Der BVK hält das für Wunschdenken. Denn die 28 EU-Staaten verfügen über völlig unterschiedliche Steuer- und Sozialversicherungssysteme. „Eine einheitliche Behandlung der PEPP-Altersvorsorge ist so nur schwer vorstellbar“, so der BVK. Der Verband kritisiert zudem, dass keine qualifizierte Beratung durch Versicherungsvermittler vorgesehen ist und dass der Deckungsstock der PEPP anfangs durch Staatshilfen aufgefüllt werden soll.

Langlebigkeitsrisiko nicht abgesichert

Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bezog inzwischen Stellung zu den Vorschlägen. Zwar lobte Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsleitung des GDV, die sozialpolitischen Qualitätskriterien für die Alterssicherung, die mit dem PEPP-Vorschlag verbunden seien. Doch an die meisten müssten sich Anbieter nicht halten. Im Grunde habe die EU-Kommission damit „nur“ ein paneuropäisches Sparprodukt vorgeschlagen.
„Echte Rentenprodukte zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie dieselben typischen Risiken wie gesetzliche Rentensysteme absichern. Insbesondere müssen Leistungen im Alter grundsätzlich lebenslang gewährt werden. Sonst ist vorprogrammiert, dass das angesparte Geld im Alter häufig vorzeitig aufgebraucht ist und die Menschen systematisch dem Risiko der Altersarmut ausgesetzt werden“, warnte Schwark.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare