D&O: Attraktiv, aber schwierig

Berater von Martin Thaler

Immer wieder sollen Manager für ihr Handeln im Dienst ihres Unternehmens haften. D&O-Versicherungen bieten finanziellen Schutz. Das Thema Cyberkriminalität treibt dabei die Nachfrage.

Manager sollen immer wieder für ihr Verhalten haftbar gemacht werden - eine D&O-Police bietet hier die nötige Absicherung.

Manager sollen immer wieder für ihr Verhalten haftbar gemacht werden - eine D&O-Police bietet hier die nötige Absicherung. Foto: geralt - Pixabay.de

Für die meisten Makler ist es ein exotisches Thema: Managerhaftung und D&O-Versicherungen. Für Insider aber stellt es den idealen Türöffner zu den Chefetagen von Unternehmen und damit zu weiteren Anliegen wie zum Beispiel betriebliche Altersversorgung oder betriebliche Krankenversicherung dar. 

Immer mehr Unternehmen schließen für ihre Directors and Officers – hierzulande Aufsichtsräte, Vorstände, Geschäftsführer, Prokuristen und andere Entscheidungsträger – solche Vermögensschadens-Haftpflichtversicherungen ab. Denn baut ein Angestellter „Mist“, muss das Unternehmen von ihm Schadensersatz fordern und diesen Anspruch notfalls vor Gericht vertreten. Anlässe für behauptetes oder tatsächliches Fehlverhalten gibt es reichlich. Wird dem leitenden Angestellten ein relevanter Fehler nachgewiesen, haftet er mit seinem privaten Vermögen für den Schaden – es sei denn, die D&O-Police springt ein.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Entscheidungsträger noch im Unternehmen arbeitet oder kürzlich ausgeschieden ist. Insofern ist die D&O-Police schon ein seltsames Konstrukt, denn die Prämie zahlt das Unternehmen, den Schutz aber genießt der Manager. In Deutschland gibt es nur wenige Anbieter. Marktführer ist Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS), die Industrieversicherungstochter des Münchener Konzerns. Weitere Akteure sind zum Beispiel Axa, Talanx und Zurich.

Dynamik nimmt ab

Unter dem Dach der Kölner VOV haben sich weitere sechs D&O-Versicherer versammelt, namentlich AachenMünchener, Continentale, Generali, HDI-Gerling, Inter und Nürnberger. Die genauen Marktanteile bleiben ebenso im Dunkeln wie die Tarifausgestaltung. 

Was die Prämien betrifft, ist auch bei dieser Versicherung das Risiko ein wesentlicher Faktor. In den vergangenen Jahren standen die Banken im Fokus. Durch ihr Fehlverhalten haben etliche Vorstände, Aufsichtsräte, Investmentbanker und Händler das Haftungsrisiko und damit die Versicherungsprämie nach oben getrieben. „Seit Ausbruch der Finanzkrise sind die Preise um 20 bis 40 Prozent gestiegen“, sagt Marcel Roeder, D&O-Experte beim Makler Aon Risk Solutions.

Indes nehme die Dynamik ab. „Die Lage entspannt sich“, stellt Roeder mit Blick auf aktuelle Entwicklungen fest. Ein Grund: Versicherer hätten weniger bezahlen müssen als erwartet und trauten sich wieder, Deckungen anzubieten. Roeder nennt ein Beispiel: Eine Bank mittlerer Größe müsse typischerweise eine Prämie von 1 bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr entrichten, um Schäden bis 250 Millionen Euro abzusichern.

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