Deutsche verabschieden sich verstärkt vom Ruhestand

Versicherungen von Martin Thaler

Immer mehr 65- bis 74-Jährige gelten als erwerbstätig. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Doch was sagen diese Zahlen zum Thema Altersarmut aus?

Immer mehr 65- bis 74-Jährige sind erwerbstätig.

Immer mehr 65- bis 74-Jährige sind erwerbstätig. Foto: music4life - Pixabay.de

Wohlverdienter Ruhestand? Das war einmal – in Deutschland arbeiten nämlich immer mehr Menschen auch nach Erreichen des Rentenalters weiter. Und zwar deutlich. Nach neuen Zahlen, die das Statistische Bundesamt nun präsentierte, ging 2016 jede neunte Person zwischen 65 und 74 Jahren einer Beschäftigung nach. Oder anders formuliert: Von den 8,3 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe arbeiteten 942.000.  

Damit hat sich die Zahl der arbeiteten 65- und 74-Jährigen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Damals waren gerade einmal fünf Prozent der Menschen dieser Altersgruppe erwerbstätig. Besonders Männer arbeiten nach Erreichen des Rentenalters weiter – von ihnen waren 15 Prozent (2006: 7 Prozent) in dieser Altersgruppe erwerbstätig, bei Frauen waren es hingegen nur 8 Prozent (2006: 4 Prozent).  

Für 37 Prozent der Erwerbstätigen war die eigene Erwerbstätigkeit auch Haupteinnahmequelle – sie überstieg also ihre Rente. Bei 58 Prozent überwogen indes die Rentenzahlungen, für sie waren die Einnahmen aus der Erwerbstätigkeit nur ein Zuverdienst.  

Neues Futter für die Rentendebatte?

Aussagen über die Bedürftigkeit der Menschen machen diese Zahlen indes nicht: Sie erklären nicht, ob die Menschen aus wirtschaftlicher Not, weil ihre Rente zu gering ausfiel, arbeiten müssen oder dies aus anderen Gründen tun. Auch über das Ausmaß der Erwerbstätigkeit lassen sich nur schwer Schlüsse ziehen. Schließlich gilt nach einer Definition der International Labour Organisation schon derjenige als erwerbstätig, der in einer Woche mindestens eine Stunde einer bezahlten Arbeit nachgeht.  

Nichtsdestotrotz können diese Zahlen Wasser auf die Mühlen derjenigen sein, die das Thema Rente bzw. Altersarmut angesichts der nahenden Bundestagswahlen thematisieren wollen.  

So warnte jüngst die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi davor, dass rund der Hälfte der arbeitenden Deutschen drohe, im Alter keine auskömmliche Rente zu erhalten. Verbunden mit dieser Rechnung war die Forderung an die Politik, einen Kurswechsel in der Rentenpolitik durchzuführen. Während SPD-Kanzlerkandidat das Thema Rente in seinem Wahlkampf aufgriff, nimmt es im Wahlkampf der Union einen geringeren Stellenwert an. Aus dem Wahlprogramm der Union lässt sich nur entnehmen, dass in der kommenden Legislaturperiode eine Kommission gebildet werden soll, die über künftige rentenpolitische Schritte beraten soll.

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