BWF: Haft für Gründer, Klagen für Vermittler

Sachwerte von Martin Thaler

Das Landgericht Berlin hat vier Verantwortliche der BWF-Stiftung wegen Betrugs zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Urteile gab es in vergangener Zeit auch immer wieder gegen Vermittler.

Vier Mitglieder der BWF-Stiftung sind zu Haftstrafen verurteilt worden.

Vier Mitglieder der BWF-Stiftung sind zu Haftstrafen verurteilt worden. Foto: ElisaRiva - Pixabay.de

Im Falschgold-Prozess gegen die sogenannte „BWF-Stiftung“ hat das Berliner Landgericht nun Urteile gegen die vier Angeklagten gesprochen. Wie die „BZ“ berichtet, muss Stiftungsgründer Gerald S., der bereits wegen Betrugs in der Versicherungsbranche vorbestraft ist, für sechs Jahre ins Gefängnis. Er hatte vor Gericht den Betrug von 4.000 Anlegern gestanden und die alleinige Verantwortung übernommen.   Verurteilt wurden jedoch auch seine Ehefrau (fünf Jahre, fünf Monate), die die Buchhaltung der Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung übernommen hatte, sowie zwei Vorstandsmitglieder der Stiftung wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs.  

Die sogenannte Stiftung hatte rund 4.000 Anleger um ihre Ersparnisse gebracht, insgesamt 49 Millionen Euro. Diese hatten ab 2011 angeblich in Goldgeschäfte investiert – doch anstatt in Goldbarren zu investieren, kaufte die BWF-Stiftung vom Anlegergeld nur sogenannte Gold-Dummys: Fahnder fanden bei einer Razzia im Jahr 2015 insgesamt 3,6 Tonnen Falschgold im Tresor einer Villa, wie die „Berliner Zeitung“ schreibt. Das Anlegergeld floss stattdessen in die Taschen der Stiftungsgründer, teils auch in hohe Provisionen für Vermittler.  

Gerichte sehen Vermittler in der Pflicht

Diese wurden zuletzt immer wieder zu Verantwortung gezogen, wie zahlreiche Urteile aus der vergangenen Zeit zeigen (auch wenn einige von diesen noch nicht rechtskräftig sind). Verurteilt wurde beispielsweise ein Vermittler vom Landgericht Aurich (Az: 1 O 328/16) zu einem Schadensersatz in Höhe von 62.000 Euro, wie der Rechtsanwalt Thomas Diler berichtet. Das Gericht habe entschieden, dass der Vermittler vorvertragliche Aufklärungspflichten verletzt habe und beispielsweise nicht über das Risiko eines möglichen Totalverlustes aufgeklärt habe.  

Urteile mit ähnlicher Tendenz erließen unter anderem auch das Landgericht Dortmund (Az. 3 O 140/16) sowie das Landgericht Zweibrücken (Az: 3 O 317/16). Auch hier erkannten die Gerichte eine Verletzung der Aufklärungspflichten, da allein das Anlagekonzept der BWF nicht schlüssig gewesen sei. Dies hätte bereits bei einer Plausibilitätsprüfung seitens des Vermittlers festgestellt werden müssen, was allerdings nicht geschah.

Die Vermittler dürfen aber nicht über einen Kamm geschert werden, stellte Insolvenzverwalter Sebastian Laboga fest, vielmehr gebe es unter ihnen Opfer als auch Täter. 

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare