Volksbank kassiert Negativzinsen wieder ein

Investmentfonds von Martin Thaler

Ein Preisaushang der Volksbank Reutlingen hatte zu Beginn des Monats für große Aufmerksamkeit gesorgt. Die angekündigten Negativzinsen werden nun aber doch nicht kommen - die Preisliste wurde nun überarbeitet.

Die Volksbank Reutlingen hat ihren Preisaushang nun erneut überarbeitet.

Die Volksbank Reutlingen hat ihren Preisaushang nun erneut überarbeitet. Foto: dpa

Die Aufregung im beschaulichen Reutlingen war Anfang Juni groß, als die dortige Volksbank einen Aushang machte. Konkret ging es um das Preisverzeichnis der Bank im Internet, in dem zu lesen war, dass Privatkunden für ihre Einlagen ein sogenanntes Verwahrentgeld in Höhe von 0,5 Prozent zahlen müssen – für ihre Festgeldkonten ab einem Betrag von 10.000 Euro, für ihre Girokonten indes bereits ab dem ersten Euro.  

Der Aufschrei war groß und bundesweit vernehmbar – schließlich hatten Volksbanken und Sparkassen Negativzinsen für Privatkunden bislang immer abgelehnt bzw. nur ab hohen Summen gefordert. Die Angst war groß, dass nun der Damm gebrochen wäre und andere Banken nachziehen würden.  

Zwar betonte die Bank, dass die neue Preis-Regelung rein präventiven Charakter habe und Privatkunden derzeit keine Negativzinsen zu zahlen habe. Dennoch reagierte man nun von Seiten der Bank und hat den Preisaushang noch einmal überarbeitet, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet.  

"Verbraucher haben weiterhin keine Sicherheit"

Zu dieser Entscheidung beigetragen haben dürfte auch eine Abmahnung der Verbraucherzentrale Bade-Württemberg. Diese zeigt sich mit der Entwicklung allerdings nicht vollends zufrieden, schließlich habe die Bank nicht wie gefordert eine Unterlassungserklärung abgegeben.

„Verbraucher haben damit aber weiterhin keine Sicherheit“, erklärte Verbraucherschützer Niels Nauhauser. „Die Änderung des Aushangs kann von der Volksbank jederzeit wieder rückgängig gemacht werden.“ Die Verbraucherzentrale wolle die Sache deshalb rechtlich weiterverfolgen, wie es in einer Pressemitteilung heißt.  

Die Verbraucherschützer vertreten die Meinung, dass die Einführung von Negativzinsen in laufende Geschäftsbeziehungen nicht über eine Änderung der Allgemeinen Geschäftsbeziehungen erfolgen könne. Dabei es unerheblich, ob die Negativzinsen nur angekündigt oder auch tatsächlich erhoben würden. „Für die rechtliche Bewertung zählen die Vertragsinformationen, die uns vorliegen und die Verbrauchern zur Verfügung gestellt werden. Behauptungen der Bank, dass das in der Praxis anders gehandhabt wird, spielen keine Rolle“, erklärte Cornelia Tausch, Vorstand der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

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