Restschuldversicherungen: Banken kassieren über 50 Prozent Provision

Versicherungen von Florian Burghardt

Die BaFin hat den Markt der Restschuldversicherungen analysiert und dabei festgestellt, dass die gezahlten Provisionen in dieser Sparte teilweise "außerordentlich hoch" sind. Untersucht wurden zudem auch die Beitragsspanne sowie obligatorische Abschlüsse.

Etwa zwei Drittel der befragten Kreditinstitute gaben an, für die Vermittlung von Restschuldversicherungen 50 Prozent und mehr Provision zu kassieren.

Etwa zwei Drittel der befragten Kreditinstitute gaben an, für die Vermittlung von Restschuldversicherungen 50 Prozent und mehr Provision zu kassieren. Bild: Skitterphoto/Pixabay.com

Eigentlich klingt es nach einer sinnvollen Idee: Wer einen Kredit aufnimmt und vielleicht einmal in eine Situation (Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Tod) kommt, die ihm die Rückzahlung unmöglich macht, kann gegen dieses Risiko eine Police abschließen.

Doch über Restschuldversicherungen wird selten positives berichtet. Besonders Verbraucherschützern ist sie ein Dorn im Auge. Sie seien überteuert und der Schutz lückenhaft, lauten einige der Vorwürfe. Auch die Politik hat sich schon mit dem Thema beschäftigt. Dazu, wie hoch die Provisionen ausfallen, die für die Vermittlung der Policen gezahlt werden, konnte die Bundesregierung damals jedoch keine Angaben machen.

BaFin fragt Provisionshöhen ab

Antworten liefert dafür nun die BaFin. Die Finanzaufsichtsbehörde hat eine Untersuchung veröffentlicht, in welche die Angaben von 30 Versicherungsunternehmen und 31 Kreditinstituten eingingen. Laut dem Fazit der BaFin würde deren Analyse die Vermutungen der Verbraucherschützer bestätigen, dass die von den Versicherungsunternehmen an die Kreditinstitute geleisteten Provisionen teilweise außerordentlich hoch sind.

Außerordentlich steht hier womöglich für 50 Prozent und mehr der gezahlten Beiträge. So gaben 12 Banken an, als Provisionshöchstsatz 50 Prozent zu erhalten. Weitere 12 erhalten weniger als 50 Prozent, sieben Kreditinstitute aber sogar über die Hälfte aller bezahlten Versicherungsprämien.

Weiterhin hatte die BaFin in ihrer Studie um die Erstellung einer Beispielrechnung für einen Musterkunden gebeten. Dabei liegen das günstigste und das teuerste Angebot nicht nur fast 600 Prozent auseinander. Wie die Aufsicht in ihrer Analyse schreibt, macht der Barwert der Abschluss- und Vertriebskosten bei dem teuersten Tarif knapp 85 Prozent der Prämie (Einmalbeitrag) aus.

„Lukrativer Anreiz für Kreditinstitute“

Bei den Gruppenverträgen von Restschuldversicherungen ist die Konstellation dergestalt, dass das Kreditinstitut zugleich die Position des Vermittlers und des Versicherungsnehmers einnimmt. Die Prämie an das Versicherungsunternehmen zahlt aber der Kunde als versicherte Person. Der Versicherer zahlt im Gegenzug eine Provision an die Bank.

In ihrem Fazit schreibt die BaFin: „Die festgestellten Provisionshöhen sind vor diesem Hintergrund ein lukrativer Anreiz für Kreditinstitute, möglichst viele Restschuldversicherungen mit einer möglichst hohen Prämie zu verkaufen.“

Zwar ginge aus den für die Studie analysierten Vertragsdokumenten der Kreditinstitute auch hervor, dass die Banken ihren Kunden die Wahl lassen würden, ob sie eine Restschuldversicherung abschließen wollen. Allerdings heißt es auch im Fazit der Finanzaufsicht: „Die Untersuchung legt jedoch nahe, dass in Einzelfällen bonitätsschwächere Kunden ein Darlehen nur bei Abschluss einer Restschuldversicherung erhalten und damit der Abschluss der Versicherung in einem derartigen Fall obligatorisch ist.“

Die vollständige BaFin-Studie kann hier heruntergeladen werden (PDF-Datei). 

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