Rente: Heute Zeitarbeiter, morgen "Aufstocker"

Berater von Florian Burghardt

Unser Rentensystem passt sich nicht schnell genug der sich wandelnden Arbeitswelt an. Leih- und Zeitarbeit sorgen unter anderem für ein erhöhtes Altersarmutsrisiko, besagt eine neue Studie. Wer noch gefährdet ist und was die Politik tun sollte.

Besonders für Leih- und Zeitarbeiter steigt das Risiko, im Alter arm zu sein.

Besonders für Leih- und Zeitarbeiter steigt das Risiko, im Alter arm zu sein. Bild: skeeze/Pixabay.com

Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie nie zuvor. Immer mehr Menschen hierzulande haben einen Job. Darüber freuen sich unter anderem die Politik und natürlich auch die Menschen, die zuvor ohne Beschäftigung waren.

Doch dass Arbeit nicht gleichbedeutend ist mit Absicherung fürs Alter belegt erneut eine Studie. Besonders atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeitbeschäftigung, Leih- und Zeitarbeit sowie Solo-Selbständigkeiten mit geringem Einkommen (und ohne Altersvorsorge) würden stark dazu beitragen, dass das Risiko von Altersarmut in Deutschland weiter steigt.

Zu diesem Ergebnis kommt die Bertelsmann-Stiftung. Auf Basis der Haushaltsdatensätze des sozioökonomischen Panels (SOEP, 2014) hat sie die Entwicklung des Alterseinkommens für die Jahre von 2015 bis 2036 hochgerechnet. Darin enthalten sind neben der gesetzlichen auch die betriebliche und die private Altersvorsorge.

Rentensystem wandelt sich zu langsam

„Auf Menschen in diesen atypischen Beschäftigungsverhältnissen, auf Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiographien und mit geringen Einkommen ist unser Rentensystem nicht ausreichend vorbereitet“, heißt es von Seiten der Bertelsmann-Stiftung. Ein besonderes Risiko sehen die Studienautoren bei der „Babyboomer“-Generation, also den geburtenstarken Jahrgängen der 1950er und 1960er Jahre.

Laut der Studie steigt das Altersarmutsrisiko unter Rentnern dieser Generation bis 2036 auf 20 Prozent gegenüber aktuell 16 Prozent. Damit wäre künftig jeder fünfte Neurentner von Altersarmut bedroht – was auch bereits andere Statistiken ergaben. Als armutsgefährdet gelten Rentner laut der Stiftung, wenn ihr monatliches Netto-Einkommen unter 958 Euro liegt.

Für die „Babyboomer“ ergibt die Studie auch eine wahrscheinliche Steigerung der Grundsicherungsquote. Sieben Prozent der Neurentner wären dann auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen, weil ihr Ruhegehalt nicht für den Lebensunterhalt reicht. Aktuell sind es 5,4 Prozent.

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