PSG II-Umstellung: „Kollektivgedanke stand im Vordergrund“

Versicherungen von Michael Fiedler

Bei der Umstellung auf die neuen Pflegegrade war die Gleichbehandlung des Versichertenkollektivs besonders zu beachten, sagt Micha Hildebrandt, Vorstand der vigo. Wie der Versicherer als „Erfinder des flexiblen Pflegetagegeldes“ bei der Umstellung agierte, erklärt er im Interview mit procontra.

Umstellung auf Pflegegrad Micha Hildebrandt, Vorstand der Vigo

Wie ging Vigo bei der Umstellung auf Pflegegrade vor? Vorstand Micha Hildebrandt (Bildmitte) im Gespräch mit procontra. Bild: Vigo

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) werden Versicherer dazu gezwungen, ihre Tarife anzupassen. Wie z.B. aus den früheren drei Pflegestufen nun die fünf Pflegegrade werden, hatte in der Maklerschaft für Nachfragen gesorgt.
Damit Makler ihren Kunden gegenüber die Umstellung besser erklären können, haben wir bei verschiedenen Anbietern deren Herangehensweise erfragt.

procontra: Der Gesetzgeber hat Versicherern keine Vorgaben zum Vorgehen bei der Umstellung der Tarife auf Pflegegrade gemacht. Was stand für Sie bei der Umstellung im Fokus?

Micha Hildebrandt: Aus meiner Sicht bedeutete die Umstellung einen Balanceakt mit drei Parametern. Ähnlich wie beim magischen Dreieck der Geldanlage aus Rendite, Sicherheit und Liquidität. Nur hießen die Parameter hier: Beitragshöhe, Tarifbedingungen und Tagegeld- bzw. Leistungsstufen-Aufteilung.

procontra: Wie haben Sie Verträge von Bestandskunden umgestellt, die Versicherungsschutz in den Pflegestufen „0“, 1, 2 und 3 hatten?

Hildebrandt: Wir stellten sicher, dass der Versicherte in so einem Fall in allen fünf Pflegegraden Leistungen erhielt. Dabei war die Leistung im höchsten Pflegegrad 5 mindestens so hoch wie in der bisher höchsten Pflegestufe 3. Um das Äquivalenzverhältnis zum Vertragsabschluss wiederherzustellen, hielten wir es für angemessen, auch Leistungen für Pflegegrad 1 einzuräumen, wenn vorher Schutz in Pflegestufe 0 bestand. Bezüglich der Tagegeldhöhe in den unteren Pflegegraden hat eine Verteilung stattgefunden. Das war notwendig, da die Zahl der Leistungsstufen sich erhöht hat.

procontra: Wie hat sich der Beitrag für Ihre Versicherten durch die Umstellung geändert?

Hildebrandt: Wir haben erhebliche Limitierungsmittel verwendet, damit Beitragserhöhungen nur moderat ausfallen. Mehr als 15 % ging es für keinen unserer Kunden rauf.

procontra: Die Deutsche Familienversicherung (DFV) geht einen etwas anderen Weg bei der Umstellung. Wie bewerten Sie deren Vorgehen?

Hildebrandt: Eine Bewertung darüber will und kann ich nicht vornehmen, da auch unternehmensindividuelle Besonderheiten zu berücksichtigen waren. Entscheidend ist, dass die zuständigen Treuhänder über alle relevanten Aspekte im Bilde waren. Grundsätzlich ist mir wichtig, dass das Kollektiv bei der Umstellung eine Gleichbehandlung erfährt. Zu viele Individualgestaltungsrechte führen zu einer adversen Selektion und somit zu einer Benachteiligung des Kollektivs.

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