Mit Weiterbildung den nächsten Skandal verhindern

Berater IDD Top News von Florian Burghardt

procontra: Weiterbildungspunkte der Initiative „gut beraten“ werden für die Teilnahme an sehr vielen verschiedenen Veranstaltungen gutgeschrieben. Wie beurteilen Sie Angebot und Konzept der Initiative, drei Jahre nach deren Start?

Beenken: Das Konzept von gut beraten ist gut. Wie seinerzeit bei der Einführung der Versicherungsfachleute-Ausbildung 1991 ist es gelungen, die gesamte Branche zu einen und eine gemeinsame Initiative zu starten. Dass dabei nicht alles von Beginn an perfekt läuft, durfte man nicht erwarten, aber im Großen und Ganzen haben wir heute ein klareres Bild als früher von den Weiterbildungsaktivitäten, die im Markt durchgeführt werden.

Allerdings muss sich gut beraten nun den gesetzlichen Anforderungen anpassen. Und die gesamte Branche muss Farbe bekennen, ob sie es auch unter Kostendruck für wichtig genug erachtet, in einem nennenswerten Umfang und einer guten Qualität weitergebildet zu sein, oder ob man wie so oft sich damit begnügt, die Buchstaben des Gesetzes zu erfüllen. Bis dann der nächste Skandal ins Haus steht und man sich wieder fragt, wie es denn dazu nur kommen konnte.    

procontra: Wenn man sich bei Vermittlern so umhört, dann wurden diese noch nie von einem Kunden auf ihre „gut beraten“-Punkte angesprochen. Die Vermittler selbst preisen ihre Weiterbildungserfolge aber auch nicht an. Haben Sie dazu Erfahrungen?

Beenken: Nur eine sehr alte: Als der Versicherungsfachmann-Ausweis in den 1990ern eingeführt wurde, bin ich auch nie nach meinem gefragt worden. Was die Branche aber damals genauso wie aktuell falsch macht ist, dass sie eine sehr gute und aufwändige Initiative startet, dann aber das Geld einspart für eine ordentliche und langandauernde Öffentlichkeitskampagne.    

procontra: Ist durch die IDD-bedingte Weiterbildungsverpflichtung eine öffentlichkeitswirksamere Darstellung der von den Vermittlern absolvierten Maßnahmen zu erwarten?

Beenken: Ich halte es für falsch, in der Tatsache der Weiterbildung an sich eine Wettbewerbsdifferenzierung zu sehen. Kunden erwarten es als Selbstverständlichkeit, dass der Vermittler Ahnung von seinen Themen hat, sonst würden sie ihn meiden und sich selbst im Internet umsehen. Weiterbildung ist ein Hygienefaktor.

Viel entscheidender ist, ob es den Vermittlern gelingt, sich aufgrund ihrer Weiterbildung kompetenter und überzeugender beim Kunden zu präsentieren und den Kunden immer wieder einmal mit seinem Wissen und Können positiv zu überraschen. Das spricht sich herum, und solche Vermittler bekommen Zulauf.

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