Mit Weiterbildung den nächsten Skandal verhindern

Berater IDD Top News von Florian Burghardt

Die IDD wird die Weiterbildung für Vermittler verändern. Über drei in Zukunft besonders wichtige Bereiche, das Image der Branche und den Wert von "gut beraten"-Punkten sprach procontra mit Professor Dr. Matthias Beenken von der FH Dortmund.

Hat seit 2010 die Professur für "Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Versicherungswirtschaft" an der Fachhochschule Dortmund inne: Professor Dr. Matthias Beenken.

Hat seit 2010 die Professur für "Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Versicherungswirtschaft" an der Fachhochschule Dortmund inne: Professor Dr. Matthias Beenken. Bild: M. Fiedler/procontra

procontra: Zu welchen Themen und Sparten sollten Vermittler in Zukunft vorrangig an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen?

Matthias Beenken: Es gibt drei wichtige Bereiche. Erstens brauchen Vermittler ein gutes Produkt-Knowhow, damit ihr Wissen nicht irgendwann vom Schwarmwissen aus dem Internet überholt wird. Wenn, dann sollten sich Vermittler nicht nur Werbeveranstaltungen anhören, sondern wirkliche Produktschulungen mit allen Vor- aber auch Nachteilen derselben. Zweitens sollten sich Vermittler dringend mehr mit betriebswirtschaftlichen Themen befassen. In den Vermittlerbetrieben schlummern riesige Effizienzreserven, die es zu heben gilt. Drittens sollten sich Vermittler mit den Themen Ethik und Compliance befassen. Beides spielt in der neuen Welt der IDD eine bedeutende Rolle.    

procontra: Für welche Themen und Sparten gibt es ein gutes, weitreichendes Angebot und wo müssten die Bildungsanbieter zum Wohle der Vermittler qualitativ oder quantitativ nachlegen? 

Beenken: Das kann ich nur sehr eingeschränkt beantworten, dazu fehlt mir ein empirischer Überblick. Mein Eindruck ist, dass es recht viel Angebot an Produktschulungen, leider aber kaum ein Angebot an Schulungen zum Thema Bedarfserkennung und Beratung bei Kunden gibt.

Das ist auch verständlich, denn Versicherer wollen einzelne Produkte absetzen – ob dieses aber im Gesamtkontext der Bedarfssituation und der finanziellen Möglichkeiten des Kunden das wichtigste ist, muss vorab der Vermittler feststellen. Dafür wird er nach meiner Beobachtung bisher nicht hinreichend ausgebildet. Das Thema Ethik im Vertrieb habe ich auch noch in keinem Angebotskatalog gesehen, aber wie gesagt, mir fehlt ein umfassender Marktüberblick.  

procontra: Online- oder Präsenz-Seminar – welche Variante eignet sich für welche Themen? Oder ist eine grundsätzlich besser als die andere?

Beenken: Beides erfüllt seinen Zweck im Rahmen der beruflichen Bildung. Meine persönliche Erfahrung ist, dass Online-Seminare für die weitaus meisten Teilnehmer einen stark zeitlich begrenzten Umfang und damit einen geringen inhaltlichen Tiefgang aufweisen müssen. Wirklich in die Tiefe gehen kann man im Präsenz-Seminar, wo eine Interaktion zwischen Seminarleitung und Teilnehmern stattfindet, also gefragt und diskutiert werden kann.  

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