Hälfte der Deutschen droht Altersarmut

Versicherungen von Martin Thaler

Nach neuen Berechnungen der Gewerkschaft Verdi verdient ein Großteil der Deutschen zu wenig, um später eine auskömmliche Rente zu bekommen. Von der Politik fordert sie daher, sich an einem Nachbarn zu orientieren.

Verdi-Chef Frank Bsirske stellte neue Zahlen zum Thema Altersarmut vor.

Verdi-Chef Frank Bsirske stellte neue Zahlen zum Thema Altersarmut vor. Foto: dpa

Die Gewerkschaft fordert angesichts der nahenden Bundestagswahl einen Kurswechsel in der Rentenpolitik. Denn laut Verdi ist rund jeder zweite Deutsche von Altersarmut bedroht. Laut Berechnungen, die das Eduard-Pestel-Institut für Systemforschung auf Grundlage des Mikrozensus 2015 durchführte, kommen 44 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf ein Bruttoeinkommen von unter 2.500 Euro.

Besonders groß ist diese Gruppe in Thüringen: Hier kommen 62,1 Prozent der Menschen nicht über ein entsprechendes Einkommen. In Baden-Württemberg sind es immerhin noch 37,8 Prozent. Rechnet man dann noch die Zahlen der 5,14 Minijobber hinzu, kommen rund 50 Prozent aller Beschäftigten auf weniger als 2.500 Euro brutto.

Angesichts dieser Zahlen ist die Gefahr für die besagten Beschäftigten, im Alter in die Armut zu rutschen groß. Denn bei einem Rentenniveau von 43 Prozent (heute: 48,2), wie es 2030 herrschen soll, würden weite Teile der Verdienstgruppe bei der Rente auf oder nahe an das Grundsicherungsniveau kommen, rechnet die Verdi vor – selbst nach 45 Beitragsjahren. Für all diejenigen, die nicht auf 45 Beitragsjahre kommen, sieht die Lage noch bedrohlicher aus.

„Diese Rentenerwartungen sind armutsgefährdend für weite Teile der Bevölkerung, auch der Mittelschichten. Diejenigen, die nur auf 40 oder gar 30 Beitragsjahre kommen, und das sind wegen der Erziehungszeiten vor allem Frauen, rutschen definitiv auf Hartz-IV-Niveau“, warnt Verdi-Vorsitzender Frank Bsirske, der die Zahlen am Freitag in Berlin vorstellte.

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