Gesundheit: Schlagabtausch der Systeme

Versicherungen von Martin Thaler

Die Befürworter einer Bürgerversicherung bringen sich vor der Bundestagswahl in Stellung. Doch auch deren Gegner positionieren sich und rüsten argumentativ auf.

Befürworter von Bürgerversicherung und deren Gegner kamen nun im Bundestag zusammen.

Befürworter von Bürgerversicherung und deren Gegner kamen nun im Bundestag zusammen. Foto: Gellinger - Pixabay.de

Der Streit um die Einführung einer Bürgerversicherung schwelt in Deutschland bereits seit einigen Jahren. Auch in diesem Jahr wird der Systemwechsel in der Gesundheitsversorgung von einigen Parteien gefordert. So macht sich nicht nur SPD-Kanzlerkandidat für eine Form der Bürgerversicherung stark, auch Grüne und Linke fordern die Abkehr vom dualen System.  

In einem aktuellen Antrag der Linken heißt es (Az: 18/11722) beispielsweise: „Die meisten Menschen in Deutschland werden von einer Solidarischen Gesundheits- und einer Solidarischen Pflegeversicherung profitieren.“ So könnte der Beitragssatz in der Krankenversicherung um etwa 3,8 Prozentpunkte auf unter zwölf Prozent gesenkt werden, die zuletzt immer weiter steigenden Zusatzbeiträge abgeschafft werden. Dies würde für alle gesetzlich Versicherten mit einem Bruttoeinkommen unter 6.250 Euro eine Entlastung bedeuten. „Gleichzeitig ergeben sich Spielräume, um die Versorgung zu verbessern und Beschäftigte im Gesundheitsbereich besser zu bezahlen.“  

Von Seiten der privaten Krankenversicherer wird dagegen argumentiert. So präsentierte der PKV-Verband jüngst eine Studie, die die enorme wirtschaftliche Bedeutung der privaten Krankenversicherungen darlegen sollte. Demnach würde durch die Einführung einer Einheitsversicherung eine Bruttowertschöpfung von 13,4 Milliarden Euro in Deutschland entfallen – 300.000 Beschäftigte wären hiervon betroffen.  

An diesem Mittwoch war das Thema Bürgerversicherung auch Thema einer öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages, in der sowohl Gegner als auch Befürworter eines Systemwechsels zu Wort kamen.  

Deutlich gegen die Bürgerversicherung positionierte sich die Bundesärztekammer. Das Nebeneinander von GKV und PKV sei „ein wesentlicher Grund dafür, dass das deutsche Gesundheitssystem einen weltweit so herausragend hohen Entwicklungsstand erreichen konnte“, heißt es von der Kammer. Zugleich warnte auch sie vor den wirtschaftlichen Auswirkungen. Der ärztlichen Versorgung würden durch eine Einheitsversicherung 5,3 Milliarden Euro entzogen – schließlich würde die höheren Gebührensätze der privaten Versicherungen nicht mehr fällig werden. Für Ärzte, aber auch Hebammen und Psychologen, würde dies erhebliche Einbußen bedeuten.

Seite 1: Die Bürgerversicherung und ihre wirtschaftlichen Folgen
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