Fondsgebundene Policen: Was Makler (nicht) wissen müssen

Berater Top News von Annika Janßen

Für eine Zusatzqualifikation für Fondspolicen:

Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board (FPSB Deutschland):

Für Versicherer ist es im Niedrigzinsumfeld extrem schwierig, eine auskömmliche Rendite zu erzielen. Der Niedrigzins raubt der klassischen Lebensversicherung ihre Attraktivität, in der Folge werden vielfach scheinbar rentablere Fondspolicen an Kunden verkauft. Das Konzept fondsgebundener Versicherungen und der Ansatz, verstärkt auf Aktien zu setzen, ist grundsätzlich gut und sinnvoll. Aber: Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen handelt es sich um eine Geldanlage im Versicherungsmantel.

Anleger können über die Anlage teilweise durch die Auswahl zwischen verschiedenen Investmentfonds und somit mit differenzierten Risiken mitentscheiden. Versicherungskunden brauchen dazu verstärkt Aufklärung durch Vermittler oder Makler. Vielen Kunden ist gar nicht bewusst, dass sie über eine fondsgebundene Police am Kapitalmarkt investieren und dass die Rendite ihrer Anlage- und damit auch das Risiko – im Zeitverlauf schwanken kann. Dazu kommen mitunter hohe zusätzliche Kosten, über die Versicherungskunden Bescheid wissen müssen.

Neben Abschlusskosten und den Kosten für Garantien sind die Kosten der Kapitalanlage in Investmentfonds (beispielsweise Ausgabeaufschläge) und die Kosten des Investmentfonds (z.B. Verwaltungskosten, etc. gemessen in der Total Expense Ratio (TER) als Kennzahl der Gesamtkostenbelastung) zu berücksichtigen. Die Rendite muss langfristig höher ausfallen, um diese Kosten zu decken und noch einen zusätzlichen Gewinn für den Anleger zu erzielen.

Berater müssen also die Grundstruktur von Investmentfonds verstehen, ihre Anlageschwerpunkte mit Chancen und Risiken beurteilen und ihre Gebührenstruktur bewerten – und sie müssen abschätzen können, ob eine fondsgebundene Police überhaupt zu den Zielen ihres Kunden passt. In der klassischen Vermögensanlage bei Banken oder Finanzdienstleistern ist die Ermittlung des Kundenbedarfs und seiner Risikoneigung sowie die Aufklärung zu Chancen und Risiken mit abschließender Protokollierung im Vorfeld einer Anlageberatung verpflichtend.

Versicherungsmakler oder -vermittler müssen diese Fragen im Vorfeld nicht klären. Hier sind identische Vorgehensweisen und gleiche Anforderungen bei vergleichbaren Produkten notwendig. Wenn Investmentwelt und Versicherungswelt zunehmend verschmelzen, müssen Berater auch über Wissen aus beiden Welten verfügen. Ansonsten besteht im schlimmsten Fall die Gefahr einer haftungsrelevanten Falschberatung.  

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Seite 2: Was für eine Zusatzqualifikation spricht
Seite 3: Was gegen eine Zusatzqualifikation spricht

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