"Das Risiko an Aktienmärkten wird noch belohnt"

Investmentfonds Top News von Martin Morgenstern

Mit Nebenwerten verbinden Anleger hohe Renditen bei höherer Volatilität. Doch ist das auch wirklich zutreffend? Procontra sprach mit DWS-Fondsmanager (German Equities) Christoph Ohme über verlässliche Kennzahlen und das Risiko-Rendite-Verhältnis deutscher Nebenwerte.

Risiko wird an den Aktienmärkten derzeit noch belohnt, ist Fondsmanager Christoph Ohme überzeugt.

Risiko wird an den Aktienmärkten derzeit noch belohnt, ist Fondsmanager Christoph Ohme überzeugt. Foto: DWS

procontra: Anleger zogen 2016 fast 1,7 Milliarden Euro aus Aktienfonds heraus. Allein im ersten Quartal kamen über 2,5 Milliarden Euro zurück. Wie ist diese Bewegung zu erklären? 

Christoph Ohme: Es waren viele nichteuropäische Investoren dabei, die ihre Mittel zum Teil aus Sorge abgezogen haben. In diese Zeit fielen wichtige Wahlen in Frankreich und in Holland. Die Befürchtung bestand, dass es zu extremen Entwicklungen kommen, dass die Eurozone auseinanderbrechen könnte. Das scheint jetzt nicht mehr der Fall zu sein. Zumindest ist die Eurozone durch die bisherigen Wahlen bestätigt worden. Dadurch fühlen sich viele Investoren politisch wieder sicherer – auch um hier wieder anzulegen.

procontra: Apropos Sicherheit: Standardwerte galten bisher als weniger volatil als Nebenwerte. Ist das immer noch der Fall? 

Ohme: Generell kann man das so nicht mehr sagen. Wir haben gerade bei den Standardwerten ein paar Sonderthemen in Deutschland – den Automobilsektor beispielsweise. Wir sehen hier einen Trendumbruch in der Branche. Das verunsichert Investoren und trägt bei diesen Werten zu einer höheren Volatilität bei. Zudem haben wir letztes Jahr aufgrund der politischen Events eine hohe Volatilität im DAX gesehen.

procontra: Analysen ergeben, dass deutsche Nebenwerte seit der Finanzkrise zu den Standardwerten in puncto Volatilität aufgeschlossen haben, dabei aber die höhere Rendite bieten. Warum noch in Standardwerte investieren?

Ohme: Wir hatten zuletzt eine Sondersituation: Nebenwerte haben wirklich außerordentlich stark, ohne Rückschläge und Korrekturen performt. Ich würde jedoch davon ausgehen, dass die Volatilität bei Nebenwerten wieder zunimmt. Das soll aber nicht heißen, dass man mit den Nebenwerten keinen Gewinn mehr erzielt. Das Alpha, das man hier generieren kann, wird weiterhin überproportional sein, wenn man die richtigen auswählt. Wir müssen aber wieder mit einer stärkeren Volatilität und Differenzierung zwischen den verschiedenen Nebenwerten rechnen. Auf lange Sicht würde ich auch davon ausgehen, dass die Volatilität bei Standardwerten im Vergleich zu Nebenwerten wieder niedriger sein wird.

procontra: Anleger stehen vor der Wahl zwischen zwei Aktienfonds. Der eine bietet die höhere Rendite, aber auch das größere Risiko. Beim anderen ist der Ertrag geringer, dafür ist er aber auch weniger volatil. Was würden Sie dem Anleger raten?

Ohme: Im Moment sehen wir schon, dass das Risiko an Aktienmärkten noch belohnt wird. Der Trend ist intakt. Die Fonds mit einem höheren Nebenwerteanteil und einem größeren Wachstumsfokus haben die höhere Outperformance gegenüber den Blendfonds, die eher einen gemischten Ansatz haben. Man muss aber immer auch auf das Timing achten. Wir haben gerade einen sehr starken Lauf am Aktienmarkt gesehen. Normalerweise gibt es nach der Dividenden-Saison im Sommer saisonal eine schwächere Periode.

procontra: Gibt es eine verlässliche Kennzahl, die bei der Fondsauswahl eine bessere Vergleichbarkeit bietet? 

Ohme: Ich würde als Anleger eher darauf schauen, ob der Fondsmanager langfristig einen guten Track Record hat. Hat er es geschafft, sich sowohl in Aufwärts- als auch in Abwärtszyklen gut gegenüber der Vergleichsbenchmark zu halten? Das können Sie dann in langfristigen Rankings sehen. Ich würde es nicht an irgendwelchen Kennzahlen festmachen, weil wir immer wieder Konsolidierungsphasen am Markt haben können.

procontra: Wie wird sich das Risiko-Rendite-Verhältnis deutscher Standard- und Nebenwerte entwickeln?

Ohme: Insgesamt sehen wir den Trend für den deutschen Markt weiterhin positiv. Im letzten Jahr hatten wir ein Gewinnwachstum von 3 bis 4 Prozent im DAX. Dieses Jahr liegt die Zahl nach unserer Annahme eher bei 10 Prozent. Es klingt zwar etwas plakativ, aber wir sagen immer: Wir fühlen uns der 15.000 näher als der 10.000. Langfristig würde ich im Vergleich von Neben- und Standardwerten sagen, dass man unter den Nebenwerten mehr Outperformer sehen wird.               

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