Beratungsdokumentation verpennt - Droht Schadensersatz?

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Ein Mann wollte seine private Krankenversicherung wechseln - der Wechsel wurde aber kostspieliger als gedacht. Daraufhin verklagte der Mann seine Maklerin. Das OLG Dresden hatte nun zu klären, welche Pflichten die Maklerin bei der Beratung hat und wann dem Mann Schadensersatz zustehen würde.

Welche Folgen hat eine zu spät zugesandte Beratungsdokumentation für den Makler? Darüber entschied das OLG Dresden.

Welche Folgen hat eine zu spät zugesandte Beratungsdokumentation für den Makler? Darüber entschied das OLG Dresden. Foto: Modman - Pixabay.de

Bei einem Versicherungswechsel in der PKV bestehen für den Makler erhöhte Beratungsanforderungen. Doch welche Folgen kann eine fehlende Beratungsdokumentation haben? Kann diese einen Schadensersatzanspruch begründen? Und über was genau muss der Makler informieren? Mit diesen Fragen musste sich nun das OLG Dresden beschäftigen (Az: 4 U 1512/16)  

Der Fall  

Ein Mann war seit 2009 Kunde einer Versicherungsmaklerin, die sich auf Krankenversicherungen spezialisiert hatte. Im Jahr 2012 telefonierten dann beide Parteien – in diesem Gespräch ging es um einen Wechsel des Mannes von der Axa hin zur Continentale. Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung war bei dem Mann ein starker Vitamin-D-Mangel festgestellt worden, der allerdings nicht im Versicherungsantrag auftauchte.  

Die Continentale stellte zum 1. Januar 2014 den Versicherungsschein aus, worauf der Mann monatliche Beiträge in Höhe von 354,05 Euro zahlte. In einem Schreiben aus dem Dezember des gleichen Jahres informierte die Continentale den Mann schließlich, dass dieser aufgrund des nachträglich bekannt gewordenen Vitamin-D-Mangels einen Beitragszuschlag in Höhe von 112,94 Euro zu zahlen habe.  

Der Mann warf seiner Maklerin nun Falschberatung vor – diese sei für die richtige Beantwortung der Gesundheitsfragen im Antrag verantwortlich gewesen. Der Mann erklärte, dass die Maklerin ihn in besagtem Telefonat informiert habe, dass der Vitamin-D-Mangel nicht angegeben werden müsse – schließlich handele es sich hierbei nicht um eine Krankheit, sondern um eine bloße Mangelerscheinung. Zudem habe die Maklerin behauptet, dass seine PKV-Beiträge bei der Axa überproportional steigen würden.  

Das alles bestritt die Maklerin. Der Mann habe ihr gegenüber angegeben, die Vorsorgeuntersuchung wäre ohne Befund verlaufen. So habe sie von dem Vitamin-D-Mangel erst im Herbst 2014 erfahren. Auch bestritt sie, gegenüber dem Mann behauptet zu haben, dass die Beiträge zu seiner bestehenden PKV überproportional steigen würden. Vielmehr sei der Grund für den Wechsel der Wunsch des Mannes nach völlig freier Arztwahl (ohne Primärarztprinzip) gewesen.  

Der Mann zog nun vor Gericht und verlangte von der Maklerin Schadensersatz in Höhe von 3.678,80 Euro. Zudem müsse ihm die Maklerin auch in Zukunft die durch seinen Wechsel entstandenen Mehrkosten ersetzen. Nachdem das Landgericht Dresden die Klage des Mannes abgewiesen hatte (Begründung: Der Mann konnte die Pflichtverletzung der Maklerin nicht beweisen), landete der Fall nun vor dem OLG Dresden.

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Seite 3: Worauf muss die Maklerin hinweisen - und worauf nicht?

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