Wie bestehen Robo Advisor im Renditewettbewerb?

Investmentfonds Investment-Talk von Michael Fiedler

Portfolio-Modelle von Robo Advisor sind das Forschungsgebiet von Julia Dornhoff (Uni Bochum). Im Exklusiv-Interview mit procontra erklärt sie Anlagestrategien und welche Rolle wissenschaftliche Ansätze bei der Indexauswahl spielen können.

Robo Advisor im Renditewettbewerb Interview mit Julia Dornhoff

„Die Zeiten des 'langweiligen Index-Trackings' sind vorbei“, sagt Julia Dornhoff im procontra-Interview.

procontra: Frau Dornhoff, Sie forschen an der Ruhr-Universität Bochum über die Portfolio-Modelle der Robo Advisor. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Julia Dornhoff: Zunächst einmal handelt es sich beim Thema Robo Advisory um eine junge Finanztechnologie, die vergleichsweise wenig erforscht ist. In den USA entstanden etwa 2008 die ersten Robo Advisor, in Deutschland wurden die ersten Anbieter 2014 gegründet. Zum anderen rückt das Thema Geldanlage im aktuellen Niedrigzinsumfeld immer mehr in den Vordergrund. Für private Anleger stellt sich die Frage, welche Alternativen es für die Altersvorsorge gibt, da sich konventionelle Formen wie Lebensversicherung, Tages- oder Festgeld nicht mehr rentieren.

procontra: Experten raten Anlegern ja schon länger, auf dem Kapitalmarkt aktiv zu werden.

Dornhoff: Ja, aber hier passen zwei Welten einfach nicht zusammen. Der langfristig orientierte Vorsorgesparer kann sich nun mal nicht mit den hektischen Aufs und Abs der Aktienkurse anfreunden. Ihm sind die Risiken einfach zu hoch. Hier gibt es jedoch mit den Indexfonds eine Möglichkeit, Risiken klein zu halten. Aus diesem Grund basieren die Geschäftsmodelle der meisten Robo Advisor auf solchen Indexfonds.

procontra: Reicht es dann nicht aus, einfach in einen Indexfonds zu investieren?

Dornhoff: Das ist leichter gesagt als gemacht. Die Zahl der börsengehandelten Indexfonds steigt von Jahr zu Jahr. Im Jahr 2016 wurden weltweit 4.779 ETFs an der Börse gehandelt. Dabei gibt es viele verschiedene: Es gibt ETFs auf Aktien, Rohstoffe, Währungen und auf Anleihen, es gibt sie für verschiedene Länder, Kontinente und für unterschiedliche Branchen und Sektoren. Einige konzentrieren sich auf kleine und mittlere Unternehmen, wiederum andere auf unterbewertete Titel (Value ETFs). Und ständig kommen neue ETF-Ideen hinzu. Das Prinzip der Robo Advisor ist, anhand der individuellen Anlagepräferenzen ein Portfolio aus mehreren Indexfonds zusammenzustellen, das möglichst gute Renditeergebnisse für jeden einzelnen Anleger erzeugt. Hinzu kommt der Kostenaspekt. Die Portfolios müssen gemanagt werden, d.h. durch konstantes Rebalancing neue Titel gekauft und gegebenenfalls andere Titel verkauft werden. Nur so lässt sich das durch den Kunden gewählte Risikoprofil aufrechterhalten. Robo Advisor können sich hier Skaleneffekte zu Nutze machen und Kosten sparen, die durch das Handeln anfallen.

procontra: Investmentfonds werben damit, durch intelligentes Stock-Picking eine Outperformance zu erzielen. Robo-Advisor sind für sie nur langweilige ETF-Tracker, die an den Indizes kleben.

Dornhoff: Natürlich gibt es Superstars der Branche, die sich als Kapitalmarktversteher feiern lassen. Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt ein anderes Ergebnis. Je länger der zu untersuchende Zeitraum, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit einer Outperformance. Einer Standard & Poor’s Studie zufolge verfehlten 86 Prozent der untersuchten Fonds ihre Ziele und lagen unter der Marktrendite. Robo Advisor nutzen wissenschaftliche Modelle, die sie mit der Auswahl der richtigen Indexfonds umsetzen. Darin liegt die Zukunft.

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