Was sich die Finanzindustrie von Künstlicher Intelligenz erhofft

Digital Versicherungen von Michael Fiedler

Google will seine Produkte überarbeiten und verstärkt in künstliche Intelligenz (KI) investieren. Auch Finanzdienstleister hierzulande setzen darauf. Was sie sich vom Einsatz künstlicher Intelligenz erhoffen.

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Werden wir argumentativ bald von Chatbots "schachmatt" gesetzt? Was sich die Finanzbranche vom Einsatz Künstlicher Intelligenz verspricht. Fotolia / diablosiatr

Auf der Entwicklerkonferenz des Suchmaschinenbetreibers Google kündigte Konzernlenker Sundar Pichai einen Strategiewechsel an. Entwicklungen für Mobilgeräte würden nicht mehr im Zentrum stehen. Stattdessen würde die Produktpalette überarbeitet, so der Google-Chef. „Alles verändert sich dank künstlicher Intelligenz“, zitiert das Handelsblatt Pichai.

Das Statement aus Mountain View ist auch Wasser auf die Mühlen von Finanzdienstleistern hierzulande.
Die Finanzbranche will in diesem Bereich kräftig investieren. So zeigt eine aktuelle Studie, dass 45 Prozent der befragten Entscheider von Finanzdienstleistern ein großes Potenzial darin sehen, mit digitalen Assistenten Kundenservice und Vertrieb zu verbessern und Beratung für die Masse anzubieten.

Vertriebsimpulse zur richtigen Zeit

„Ein großes Ziel der Finanzdienstleister ist, den passenden Vertriebsimpuls zum richtigen Zeitpunkt zu erkennen. Dafür werden künftig selbstlernende Recommendation Engines sorgen“, sagt Simon Oberle, Bankenexperte und Leiter der DigiLabs von Sopra Steria Consulting in Berlin und Frankfurt.
Aber auch Auswertungen von Stimmungsbildern in sozialen Netzwerken wie Twitter sind denkbar: „Banken können so zum Beispiel im Vorfeld von Konditionsänderungen austesten, wie Kunden reagieren könnten und ihre Maßnahmen sowie die Kommunikation darauf abstimmen“, sagt Martin Stolberg, KI-Experte von Sopra Steria Consulting.
Mit dem Einsatz von sogenannter Robotic Process Automation können auch im Innendienst Kosten gespart werden. 26 Prozent der Banken, Versicherer und anderen Finanzinstitute wollen Kosten sparen und Mitarbeiter von geistiger Fließbandarbeit befreien, indem sie heute bereits Softwareroboter Zahlenkolonnen abarbeiten und Excel-Tabellen füllen lassen.

Sprachgesteuerte Anwendungen – also z.B. Chatbots – sind zwar noch eine Seltenheit, doch fast jeder dritte befragte Entscheider ist davon überzeugt, dass sich diese Technologie künftig etablieren wird.

Als größte Hürde, die den Einsatz künstlicher Intelligenz erschwert, werden gesetzliche Regelungen genannt.
Dazu zählt vor allem die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die ab Mai 2018 verbindlich für Unternehmen gelten wird. Für 41 Prozent der befragten Entscheider im Finanzwesen sind die Einhaltung aktueller und kommender gesetzlicher Vorgaben zur Datennutzung und die Absicherung der IT-Systeme sowie der Übertragungswege die größte Herausforderung für den Einsatz künstlicher Intelligenz.
Jedes dritte Unternehmen aus dem Finanzsektor beklagt auch ein fehlendes Verständnis für die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz.

Zur Studie:
Für die „Potenzialanalyse Künstliche Intelligenz“ wurden im Auftrag von Sopra Steria Consulting im Februar 2017 mehr als 200 (n=203) Geschäftsführer, Vorstände, und Führungskräfte im Business Development und aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt. Die Teilnehmer kommen aus Unternehmen der Branchen Banken, Versicherungen, sonstige Finanzdienstleister, Energieversorger, Automotive und sonstiges verarbeitendes Gewerbe, Telekommunikation und Medien sowie Öffentliche Verwaltung. Explizit von der Teilnahme ausgeschlossen waren Mitarbeiter und Führungskräfte von Beratungsunternehmen und Anbieter von IT-Lösungen sowie der Handel.

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