Pflege: Leistungskürzung durch PSG II?

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) wirft in der Praxis einige Fragen auf. Bei der Umstellung von Pflegezusatztarifen würde die Deutsche Familienversicherung (DFV) Leistungen kürzen, so Makler Sven Stopka auf seinem Blog. procontra konfrontierte die DFV mit den Vorwürfen.

Pflegeumstellung in der Praxis_DFV im Interview

Nutzt die DFV die Pflegeumstellungen zur ungerechtfertigten Leistungskürzung? procontra fragte bei Dr. Stefan Knoll (DFV) nach. Bild: Deutsche Familienversicherung AG

Das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) ersetzt u.a. die früheren drei Pflegestufen nun durch fünf Pflegegrade. Versicherer passen deshalb ihre Tarife den neuen Gegebenheiten an.
Die Deutsche Familienversicherung AG würde diese Umstellung für Leistungskürzungen nützen, die für lückenhaften Schutz bei den Versicherten führe, so der Vorwurf von Makler Sven Stopka auf seinem Blog.
Anhand mehrerer Beispiele führt er auf, wo solche Kürzungen stattfinden. Insgesamt sei die Umrechnung der Deutschen Familienversicherung „nicht nachvollziehbar und schlüssig“, so das Fazit von Stopka. procontra konfrontierte die DFV mit den Vorwürfen.

procontra: Aus der Maklerschaft kommen Vorwürfe, dass die DFV bei der Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade insbesondere bei den stationären Leistungen kürzen würde. Stimmt dieser Eindruck?

Dr. Stefan Knoll: Nein. Die alte gesetzliche Regelung kannte eine "Quasi-Pflegestufe 0", bei der die sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz zu Leistungen geführt hat. Wurde diese eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt, so leistete die Pflegezusatzversicherung der DFV, sofern Demenz - ein Kriterium der eingeschränkten Alltagskompetenz - versichert war. Diese Pflegestufe 0 ist durch völlig neue Bewertungskriterien ersetzt worden und wird nach dem PSG II in jedem Pflegegrad berücksichtigt.

procontra: Die bisherigen Pflegestufen wurden ja nicht einfach um zwei auf fünf erweitert?

Knoll: Richtig, es gelten völlig neuartige Bewertungskriterien, mit denen über ein Punktesystem der jeweilige Pflegegrad feststellt wird. Deshalb wurde der Versicherungsschutz neu kalkuliert. Dabei mussten wir auch diese neue gesetzliche Regelung berücksichtigen: Unabhängig vom Pflegegrad ist bei stationärer Pflege ein fester Eigenanteil der Kosten vom Pflegebedürftigen zu tragen. Stiegen in der Vergangenheit die Eigenanteile mit Zunahme der Pflegestufe, müssen jetzt einheitlich hohe Eigenanteile, unabhängig vom Pflegegrad und der Pflegebedürftigkeit, selbst getragen werden. Das führt im Vergleich zu einer deutlichen Mehrbelastung in den Pflegegraden 2-5.

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