Mieterbund: „Bestandsmieten explodieren“

Sachwerte von Michael Fiedler

Bei bestehenden Mietverhältnissen explodieren die Mieten, warnt der Deutsche Mieterbund (DMB) und beruft sich auf den neuen Berliner Mietspiegel. Welche Gründe für den Anstieg verantwortlich sind.

Bestandsmieten steigen - Mietpreisbremse funktioniert nicht

Keine Entlastung am Wohnungsmarkt: Die Bestandsmieten steigen - Mietpreisbremse funktioniert nicht, folgern nicht nur Mieterverbände. Fotolia / lavio

Die Wohnungsmärkte in den deutschen Großstädten sind „aus den Fugen“ geraten, so Lukas Siebenkotten, Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes (DMB).
Mit Blick auf den jüngst veröffentlichten Berliner Mietspiegel (PDF) forderte er, dass die Politik dem Treiben auf den Wohnungsmärkten nicht weiter tatenlos zusehe.
Der neue Berliner Mietspiegel weist durchschnittliche Preissteigerungen von 10 Prozent aus. Für einen Großteil der Mieter seien solche Erhöhungen innerhalb von zwei Jahren nicht zu verkraften, so der DMB.

Mietpreisbremse nachbessern

Die drastischen Mietpreissteigerungen betrafen in erster Linie Neu- und Wiedervermietungsmieten. Und diese hohen Wiedervermietungsmieten haben einen starken Einfluss auf Mietspiegel und Vergleichsmieten – und damit auch auf bestehende Mietverhältnisse. Denn die Vergleichsmiete setzt sich aus den neuen Vertragsabschlüssen und den Mieterhöhungen der letzten vier Jahre zusammen.
Siebenkotten forderte deshalb Nachbesserungen an der Mietpreisbremse (procontra: „Mietpreisbremse bremst nicht“): „Die Mietpreisbremse muss nachgebessert werden, der Betrachtungszeitraum für die Vergleichsmiete muss von 4 auf 10 Jahre verlängert werden, damit auch ältere – noch nicht so hohe – Vertragsabschlüsse bei der Vergleichsmiete berücksichtigt werden können. Daneben müssen die Kappungsgrenzen angepasst werden, ihnen kommt aktuell eine immer größere Bedeutung zu. Außerdem brauchen wir klare und verlässliche Rahmenbedingungen für die Erstellung von rechtssicheren Mietspiegeln. Dass Vermieterorganisationen und große Wohnungsunternehmen ihre Zustimmung zum Mietspiegel verweigern oder den Mietspiegel ablehnen, weil ihnen offensichtlich Mietpreissteigerungen von 10 Prozent zu wenig erscheinen, ist völlig maßlos.“

Siebenkotten meint die Vermieterverbände „Haus & Grund“ sowie „BFW“. Beiden war nach Informationen des Berliner Mietervereins der Mietenanstieg zu gering. Sie wollten den Oberwert durch Ausweitung der Spanne um weitere 4 % steigen lassen, scheiterten aber am Widerstand der Mietervereine und Senatorin Lompscher.
Bei den Oberwerten der Mietspiegelspanne wird eine Erhöhung um 17,4 % abgebildet. Die Oberwerte bilden den Rahmen für zukünftige Mieterhöhungen. Denn die Mieterhöhungen dürfen ohne Nachweis von Merkmalen mit dem Oberwert der Mietspiegelspanne begründet werden.
Von einem Ende stark steigender Mieten kann also insbesondere in den Ballungsgebieten keine Rede sein.

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