"Makler schaffen sich neue Standbeine"

Berater Top News von Martin Thaler

procontra: Unter Vermittlern ist immer wieder Kritik vernehmbar, dass es beim Weiterbildungs-Angebot ein Ungleichgewicht gibt. So gibt es im Bereich Leben eine echte Schwemme an Angeboten, wohingegen der Sachbereich eher wenige Optionen bietet.

Zech: Ich glaube da muss man auch im Blick haben, dass es eben gerade im Bereich der Lebensversicherung in der letzten Zeit viele Änderungen gab. Durch die geänderten Rahmenbedingungen entstand sehr schnell ein völlig neues Produktangebot bei vielen Anbietern und die haben darüber auch entsprechend informiert. Gleiches trifft auf die Änderungen im Pflegebereich zu. Ich glaube schon, dass es durchaus ein breites Angebot an Informationen auch im Sach- und Gewerbebereich gibt, doch da hatten wir in den vergangenen Jahren einfach nicht diese Frequenz an Neuerungen. Darum kann ich das Empfinden der Vermittler angesichts des Trommelfeuers im Personenbereich durchaus nachvollziehen.

procontra: Ein Trommelfeuer kann man auch beim Thema Digitalisierung vernehmen. Nicht nur bei den Inhalten, sondern auch den Formaten. Online-Seminare gewinnen für Vermittler immer mehr an Bedeutung. Welche Vorteile bieten diese dem Vermittler und in welchen Punkten sind sie klassischen Präsenzveranstaltungen unterlegen?

Zech: Grundsätzlich glaube ich, dass sich gerade Online-Seminare sehr gut eignen für Updates, zum Beispiel um den aktuellen Stand in einem Gesetzgebungsverfahren zu vermitteln, oder aber auch für strukturiertes Vorbereiten auf weiterführende Prüfungen, wie z.B. für den §34d GeWO. Wenn es aber darum geht, dass sich Menschen zusammenfinden, komplexere Sachverhalte erarbeiten und sich mit den Teilnehmern austauschen wollen, sind Präsenz-Seminare besser geeignet. Das bekomme ich bei Webinaren oder einem Web-basierten Training nicht hin. Daher sehen wir auf der einen Seite eine steigende Nachfrage nach Online-Seminaren, auf der anderen Seite aber auch nach Präsenz-Lehrgängen, die sich komplexen Themen widmen. Einfach auch, weil bei Präsenz die Möglichkeit der Netzwerkbildung gegeben ist, die mindestens genauso einen Wert für den Vermittler einnimmt, wie die vermittelnden Inhalte durch den Trainer.

procontra: Bei einigen Online-Seminaren reicht es ja, dass man sich einloggt. Ob man der Veranstaltung dann folgt, kann praktisch nicht nachgeprüft werden. Sollten hier verstärkte Lernkontrollen eingeführt werden? Sollte hier die Weiterbildung reformiert werden, beispielsweise indem abschließende Tests eingeführt werden, so dass sichergestellt werden kann, dass die vermittelten Inhalte auch verstanden wurden?

Zech: Wir wissen durch Umfragen und Rückmeldungen, dass gerade die Vermittler sehr positiv gegenüber Lernkontrollen eingestellt sind. Da spielt zum einen der sportliche Wettbewerbsgedanke eine Rolle, aber auch die Überzeugung, dass bei Lernkontrollfragen das Wissen noch besser behalten wird. Das können vielleicht 5 - 10 Fragen sein oder  Ankreuzlisten, mit denen dann die Kernpunkte des vermittelten Wissens abgefragt werden. Insofern ist meine persönliche Meinung: Ja, es sollte eine stärkere Verpflichtung zur Abfrage des vermittelten Wissens geben.

procontra: Wie handhaben Sie das bei der DMA?

Zech: Das ist unterschiedlich, aber wir gehen immer stärker dazu über, die Inhalte mit Kontrollfragen nochmals abzuprüfen.

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