Immobilien: Höherer Wert durch Walkability

Sachwerte Top News von Michael Fiedler

Nur wenige Gehminuten zu Kindergärten oder Ärzten entscheiden darüber, ob der Standort eines Unternehmens für qualifizierte Mitarbeiter interessant ist. „Walkability“ heißt dieser Trend, der Bürogebäude auch für Investoren in einem neuen Licht erscheinen lässt. Die Gründe erläutert André Zücker, Mitglied der Geschäftsleitung der KGAL Investment Management GmbH & Co. KG, im Interview.

André Zücker, Mitglied der Geschäftsleitung der KGAL Investment Management GmbH & Co. KG

André Zücker, Mitglied der Geschäftsleitung der KGAL Investment Management GmbH & Co. KG, über neue Trends in der Immobilienbewertung. Bild: KGAL / Marcus Schlaf

procontra: Herr Zücker, viele Städte und Kommunen wollen den Anteil des öffentlichen Nahverkehrs erhöhen. Woher kommt dieser Bedarf?

André Zücker: Ein Beweggrund ist sicher, den Verkehr stadt- und umweltverträglicher zu gestalten. Darüber hinaus kommt dem öffentlichen Nahverkehr inzwischen einfach eine größere Bedeutung zu, weil eine gute Angebotsdichte und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis von öffentlichen Verkehrsmitteln die Attraktivität einer Stadt oder Kommune erhöht.

procontra: Bei der Wahl eines Wohnorts ist also eine gute Anbindung mit Bus und Bahn wichtiger als früher?

Zücker: Absolut. Früher war es für viele Menschen ganz selbstverständlich, überallhin das Auto zu nehmen. Doch hier hat ein Umdenken eingesetzt. Es zieht immer mehr Menschen in die großen Städte. Gleichzeitig wünscht man sich einen hohen Freizeitwert und möchte deshalb Arbeit und Freizeit so gut wie möglich verknüpfen. Das funktioniert am besten, wenn die Menschen dort, wo sie ihren Beruf ausüben, auch leben, einkaufen, einen Arzt aufsuchen und die Kinder in den Kindergarten oder zur Schule bringen können.

procontra: Sehen Sie darin auch einen Trend hin zu mehr Mobilität in Fußweite?

Zücker: Vor allem bei jungen Menschen geht der Trend dahin, vom Arbeitsplatz aus möglichst viel in möglichst kurzer Zeit erreichen zu können, zumal in dieser Generation oft beide Elternteile arbeiten gehen. Damit überträgt sich dieser „Walkability“-Trend automatisch auch auf Unternehmen, die diese jungen Talente aufgrund ihrer Ausbildung und ihres Fachwissens anwerben möchten. Hinzu kommt, dass in vielen Berufszweigen inzwischen Networking-Möglichkeiten wichtig sind.

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