Die Hausratversicherung und das zündelnde Kind

Berater von Martin Thaler

Haben Eltern, deren Kind im eigenen Haus gezündelt hat, grob fahrlässig gehandelt? Und wenn ja, um wieviel Prozent kann die Hausratversicherung die Leistungen kürzen? Mit diesen Fragen musste sich das OLG Nürnberg beschäftigen.

Ein Kind hatte gezündelt - das Gericht musste nun entscheiden, ob die Eltern grob fahrlässig gehandelt hatten.

Ein Kind hatte gezündelt - das Gericht musste nun entscheiden, ob die Eltern grob fahrlässig gehandelt hatten. Foto: Myagi - Pixabay.de

Wann handelt eine Mutter im Umgang mit ihrem Kind fahrlässig? Und welche Auswirkungen hat das auf die Hausratversicherung? Mit diesen Fragen hatte sich unlängst das OLG Nürnberg auseinanderzusetzen (Az: 8 U 1688/15).  

Was war geschehen?  

Eine Frau hatte ihren achtjährigen Sohn ins Home-Office des Vaters gelassen, damit das Kind dort Computer spielen konnte. Dort fand das Kind ein Feuerzeug und entzündete ein Blatt Papier, worauf sich ein Brand entwickelte, den das Kind nicht mehr löschen konnte. Von ihrer Hausratversicherung bekam die Frau daraufhin nur 50 Prozent des entstandenen Schadens in Höhe von rund 50.000 Euro ersetzt. Die Begründung der Versicherung: Der Brand sei grob fahrlässig herbeigeführt worden.  

Die Frau behauptete hingegen, dass im Büro-Schreibtisch nur leere Feuerzeuge zum Zwecke des Wiederauffüllens aufbewahrt würden und verneinte die ihr vorgeworfene grobe Fahrlässigkeit. Nachdem das Landgericht Nürnberg-Fürth der Versicherung recht gegeben hatte, landete der Fall vor dem OLG.  

Das Urteil  

Vor dem OLG erzielten die Versicherungsnehmer zumindest einen Teilerfolg – so dürfe die Versicherung ihre Leistungen lediglich um 25 Prozent kürzen, entschieden die Richter. Dennoch entschied auch das OLG, dass das Verhalten der Eltern grob fahrlässig gewesen sei. Hieran ändere auch die Tatsache nichts, dass das Kind nur ausnahmsweise das Büro benutzen durfte und von den Feuerzeugen zuvor nichts wusste.  

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