Demenz: Wer haftet für das Vergessen?

Berater Top News von Eike Schulz

Die Bevölkerung wird immer älter. Dies ist eigentlich erfreulich. Doch damit einher geht das Thema Demenz – und die Frage, ob und wie die Privathaftpflicht greift.

Der vergessene Schutz: Wann greift die PHV bei Demenz?

Der vergessene Schutz: Wann greift die PHV bei Demenz? : Roman Kulon

Vorneweg: Bei Demenz ist der Betroffene in der Privathaftpflicht (mit-)versichert. Jedoch geht damit auch gleich ein Problem einher. Der demente Mensch gilt als delikt-unfähig. Die Versicherung bleibt jedoch bestehen. Und damit nicht genug: Schadensersatz bräuchte die Versicherung dadurch nicht zu leisten. Sie würde nur dann zahlen, wenn der Versicherte einen lichten Moment gehabt hätte und sich an seine Ungeschicklichkeit erinnern könnte. Damit ist die Privathaftpflicht für Demente eigentlich überflüssig.  

Ein Praxisbeispiel 

Herr und Frau N. leben gemeinsam in einer Seniorenwohnanlage. Herr N. war zu Erwerbszeiten als Elektriker tätig. Als der Kühlschrank defekt war, versuchte er ihn zu reparieren. Um bessere Sicht zu haben, entzündete er eine Kerze, stellte diese aber direkt neben die Gardinen, die daraufhin Feuer fingen.

Trotz schneller Reaktion von Ehefrau und weiteren Helfern brannte die Küche teilweise aus, es entstand auch ein Wasserschaden an der darunterliegenden Küche. Der Schaden belief sich auf etwa 15.000 Euro. Frau und Herr N. verfügten über eine Privathaftpflicht; diese lehnte allerdings die Regulierung ab, da Herr N. an der Alzheimer-Erkrankung leidet und damit aus Sicht des Versicherers schuldunfähig sei. 

Deliktunfähigkeit bewahrt nicht vor Zahlungen

Solche oder ähnliche Fälle treten inzwischen häufig in Deutschland auf, obwohl die Versicherungsnehmer unter Umständen seit Jahrzehnten bei demselben Versicherer ihre Police haben. Zwar ist es laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) üblich, dass der Versicherungsschutz auch für Demente gilt. Doch ganz so einfach liegt der Fall auch wieder nicht.

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