Bayerische + Volkswohl Bund: Was taugen die neuen Unfallversicherungen

Berater Top News von Martin Thaler

Auf dem Markt der Unfallversicherungen tummeln sich seit einiger Zeit neuartige Tarife, die wie eine Haftpflichtversicherung funktionieren. Doch wie empfehlenswert sind die neuen Produkte?

Außen Unfall-, innen Haftpflichtversicherung. Neue Unfallversicherung wählen einen neuen Ansatz.

Außen Unfall-, innen Haftpflichtversicherung. Neue Unfallversicherung wählen einen neuen Ansatz. Foto: stevepb - Pixabay.de

Man sollte meinen, den Deutschen stünden genug Möglichkeiten zur Verfügung, sich eine private Unfallversicherung zuzulegen. 131 Anbieter listet der Branchenverband GDV für das Jahr 2015 auf. Da diese meist mehr als einen Tarif im Angebot haben und den Kunden zudem eine schlicht überwältigende Anzahl an Extra-Bausteinen und Leistungserweiterungen zur Wahl steht, scheint der Markt gesättigt – zumindest angebotstechnisch.

Und doch hat im Januar dieses Jahres der Volkswohl Bund über seine Tochter prokundo eine neue Unfallversicherung namens „Gleichgewicht“ auf den Markt gebracht. Warum? Zum einen sind Unfallversicherungen für die Unternehmen noch immer eine echte Cash Cow (Schaden-Kosten-Quote meist unter 80 Prozent). Zum anderen unterscheidet sich „Gleichgewicht“ von den üblichen Unfallversicherungen.

Denn sie ist keine klassische Summenversicherung. Der Kunde bekommt daher im Falle eines Unfalls auch keine vorher, je nach Invaliditätsgrad, vereinbarte Summe ausgezahlt. Stattdessen zahlt der Versicherer für die entstandenen Schäden – möglicherweise ein Leben lang. „Wir wollen das Leben des Geschädigten dauerhaft wieder in die Waage bringen“, erklärt der Volkswohl Bund. 

Konkurrenzlos ist der Volkswohl Bund mit seinem Produkt nicht – schon kurz vor der Jahrtausendwende gab die Bayerische mit dem Tarif „Unfall Individual“ den Startschuss für diese neue Art der Unfallversicherung, 2015 wurde dann ein Relaunch vollzogen. „Die Police kann dem Kunden wie eine private Haftpflichtpolice erklärt werden: Dort muss die Versicherung des Verursachers jeden Schaden ersetzen und das Unfallopfer finanziell so stellen, als wäre der Unfall nicht geschehen“, erklärt Maximilian Buddecke, Leiter des Maklervertriebs bei der Bayerischen, das neuartige Denken der Unfallversicherer. Zusammen mit der Ostangler-„Unfall Existenz“ aus dem vergangenen Jahr gibt es aktuell drei solcher Unfalltarife.  

Vor- und Nachteile der neuen Tarife

Doch warum sollte sich der Kunde für einen solchen Tarif und nicht für eine klassische Unfallversicherung entscheiden? Ein zentrales Argument erläutert der Gütersloher Makler Guido Lehberg anhand eines Beispiels. „Angenommen, ich verliere als 14-Jähriger bei einem Unfall einen Arm. Von meiner klassischen Unfallversicherung bekomme ich 250.000 Euro. Davon kaufe ich mir dann eine Armprothese für 150.000 Euro. Ein paar Jahre später bin ich erwachsen, die Armprothese passt nicht mehr. Meine verbleibenden 100.000 Euro würden für eine entsprechende Prothese aber eventuell nicht reichen. Die neue Unfallversicherung leistet hingegen lebensbegleitend“, so Lehberg.

Anbieterübergreifend liegt die Deckungssumme bei zehn Millionen Euro. Kann und will man aber auf eine Prothese verzichten, ist indes die klassische Police die bessere Wahl, da einem hier das ausgezahlte Geld zur freien Verfügung steht. 

Dennoch: Die Frage Entweder-oder stelle sich zwischen klassischen und neuen Unfallpolicen nicht, findet Lehberg. Schließlich haben auch die neuartigen Produkte einen Nachteil: Wenn ein entstandener Schaden von einem anderen Risikoträger vollumfänglich übernommen wird, beispielsweise von der Haftpflichtversicherung eines Unfallgegners, leisten die neuartigen Policen nicht beziehungsweise werden verrechnet. Einen weiteren Vorteil biete der „Gleichgewicht“-Tarif hingegen Maklern – so argumentiert zumindest der Volkswohl Bund. So biete das Produkt Vermittlern eine reduzierte Haftung.

„Durch eine enorm hohe Deckungssumme, die lebenslange Absicherung und eine einfache Produktgestaltung ist er auf der rechtlich sicheren Seite“, heißt es. Makler Lehberg sieht dies anders: Schließlich handele es sich ja um eine Police, die nicht mit einer klassischen Unfallpolice verglichen werden könne. Zudem werde die Haftung der Makler durch die neuen Produkte sogar noch erhöht. „Denn was es vorher nicht gab, konnte ich nicht beraten. Nun muss ich den Kunden informieren.“  

Seite 1: Die Vor- und Nachteile der neuen Tarife
Seite 2: Die Tarife von Bayerischer und Volkswohl Bund im Vergleich

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