Arbeitswelt Versicherung: Aussichten zunehmend düster

Versicherungen von Florian Burghardt

Laut Destatis wächst die Zahl der Erwerbstätigen in allen Dienstleistungsbereichen – außer in der Versicherungs- und Finanzbranche. Dies liegt vor allem an einem großen Job-Fresser. Die Angst vor ihm könnte viele Beschäftigte bald zum Äußersten treiben.

Für die Beschäftigten in der Versicherungsbranche waren die Aussichten schon mal besser.

Für die Beschäftigten in der Versicherungsbranche waren die Aussichten schon mal besser. Bild: ColiN00B/Pixabay.com

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat vorläufige Berechnungen zur Entwicklung der Erwerbstätigkeit im ersten Quartal 2017 veröffentlicht. Demnach hatten im ersten Viertel des Jahres rund 43,7 Millionen Erwerbstätige ihren Arbeitsort in Deutschland. Das entspricht einem Anstieg um 638.000 Personen beziehungsweise 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und bedeutet den höchsten Beschäftigungsstand in einem ersten Quartal seit der Wiedervereinigung.

Laut Destatis ist dieser Anstieg überwiegend auf die Dienstleistungsbereiche zurückzuführen. Dort konnten fast alle Wirtschaftsbereiche ein Plus an Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahresquartal verbuchen. So beispielsweise bei den Öffentlichen Dienstleistern, Erziehung, Gesundheit (+226.000) oder den Unternehmensdienstleistern (+165.000).

Schwarzes Schaf Finanzbranche

Ganz anders läuft es dagegen im Wirtschaftsbereich der Finanz- und Versicherungsdienstleister. Als einziger Dienstleistungsbereich geht es hier seit Jahren konstant abwärts – im Vergleich zum ersten Quartal 2016 um 12.000 Personen. Das entspricht einem Rückgang um ein Prozent auf nun 1,171 Millionen Erwerbstätige.

Betrachtet man konkret die Versicherungsbranche so sieht man, dass es sich hierbei nicht um ein alleiniges Problem der Banken handelt. Seit Jahren sind die Beschäftigtenzahlen rückläufig und auch Auszubildende werden immer weniger eingestellt.

Auch die Anzahl der Versicherungsvermittler geht seit Jahren konstant zurück. Das Defizit betrifft hier aber nicht die Makler, sondern fast ausschließlich gebundene Versicherungsvertreter.

Angst vor dem Job-Fresser Digitalisierung

Die Arbeitsplätze der Assekuranz-Angestellten werden vor allem durch die Digitalisierung von Arbeitsprozessen dezimiert. Aktuelle Beispiele für Zukunftsprogramme mit Stellenabbau gibt es unter anderem bei Zurich, Ergo und Talanx. Größtenteils sollen dabei die Effekte der natürlichen Fluktuation genutzt werden.

Offenbar haben aber auch viele Angestellte, die mitten im Berufsleben stehen, Angst um ihren Arbeitsplatz. Bei den aktuellen Tarifverhandlungen geht es deshalb nicht nur um mehr Gehalt. Die Gewerkschaft ver.di will für die rund 170.000 Angestellten im Versicherungsinnendienst auch einen „Zukunftstarifvertrag“ aushandeln, der ihnen mehr Sicherheit in der zunehmend digitalen Arbeitswelt Assekuranz bieten soll. Dafür scheinen die Beschäftigten auch vor Streiks nicht zurückzuschrecken

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