"Aktienanleger sind jetzt zu optimistisch"

Investmentfonds Investment-Talk Top News von Julia Groth

Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer der Commerzbank, erklärt, auf welche Probleme sich Rentenanleger einstellen müssen und welche Festverzinslichen jetzt noch attraktiv sind.

Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer der Commerzbank.

Chris-Oliver Schickentanz, Chief Investment Officer der Commerzbank. Foto: Commerzbank

procontra: In den vergangenen Jahren haben viele Rentenanleger auf Renditejagd zu Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie gegriffen. Sind die Papiere jetzt schon wieder out?

Chris-Oliver Schickentanz:  Da ist die Rally jedenfalls schon sehr weit gelaufen. In den kommenden Monaten könnten die Kurse von Peripherie-Anleihen außerdem wegen der EZB unter Druck geraten. Die Notenbank wird die Staatsanleihekäufe, die sie vorerst bis Ende 2017 verlängert hat, im kommenden Jahr nicht im selben Tempo fortführen. Sie stößt an technische Grenzen, hat bereits sehr viele Anleihen einzelner Länder in ihrer Bilanz. Die EZB wird das Volumen ihrer Anleihekäufe sukzessive reduzieren und das Kaufprogramm wahrscheinlich im kommenden Jahr komplett einstellen. Diese Aussichten dürften Peripherie-Anleihen belasten. Auch politische Risiken, etwa durch die Wahlen in Frankreich, sorgen dafür, dass sich Rentenanleger in der Euro-Peripherie zurückhalten.

procontra: Stattdessen werden Staatsanleihen aus Schwellenländern beliebter.

Schickentanz: Nach dem Wachstumsdurchhänger in den Jahren 2015 und 2016 gewinnen die Schwellenländer wieder Momentum. Staatsanleihen aus Emerging Markets sind deshalb eine Überlegung wert. Anleger sollten dort aber Währungsrisiken minimieren und Papiere in Euro oder US-Dollar kaufen statt Anleihen in Lokalwährungen.

procontra: Warum?

Schickentanz: Schwellenländerwährungen leiden, wenn der US-Dollar stärker wird. Vor diesem Hintergrund sehen wir sie jetzt eher als Risiko denn als möglichen Performancetreiber.

procontra: Steigt der US-Dollar weiter, dürften Schwellenländer zunehmend Probleme haben, ihre Schulden zu bedienen. Bereitet Ihnen auch das Sorge?

Schickentanz: Dieses Risiko ist nicht mehr ganz so groß wie während der Schwellenländerkrise in den 1990er-Jahren. Man sollte es nicht vernachlässigen, aber auch nicht überbewerten.

procontra: Für Zeiten steigender Zinsen gibt es auch Papiere wie Floating Rate Notes, die eine variable Verzinsung bieten. Sollten Anleger hier zugreifen?

Schickentanz: Die Papiere sind interessant. Nicht jeder Floater ist aber so liquide, wie man es sich als Privatanleger wünscht. Investoren sollten darauf achten, dass die Handelsvolumina groß genug sind, um die Papiere im Zweifel ohne große Preisabschläge wieder verkaufen zu können.

procontra: Dazu könnte man auch über Fonds in Floater investieren.

Schickentanz: Das ist eine gute Alternative zu Einzeltitelinvestments. Fonds bieten den Vorteil, dass sie breit diversifiziert sind. Anleger sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass ein Teil der Performance von den Fondskosten aufgefressen wird.

procontra: Aus Kostengründen investieren viele Rentenanleger in Indexfonds. Wie gut kommen Renten-ETFs mit den steigenden Zinsen klar?

Schickentanz: Sie dürften durch den Zinsanstieg Probleme bekommen. Im Vergleich mit aktiven Fonds schlagen sie sich derzeit aber nicht schlecht. Rund drei Viertel der aktiv verwalteten Rentenfonds liegen unter ihrer Benchmark, haben also schlechter abgeschnitten als Rentenindizes.

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