Zugang zum Mittelstand: Die „grünen Berufe“ für die BU gewinnen

Berufsunfähigkeit von Juliane Moghimi

Die grünen Berufe ziehen vor allem Menschen an, die gern im Freien arbeiten. Aber wie sieht es mit der BU aus? Wird das Potenzial des Mittelstands unterschätzt?

Fotoquelle: fotolia.com / Urheber: Photographee.eu

Gärtner, Winzer, Landschaftsplaner: Wer sich für einen der „grünen“ Berufe entscheidet, tut dies aus Leidenschaft. Er ist bei Wind und Wetter draußen und körperlich sehr aktiv. Was aber bedeutet das im Hinblick auf das Thema Berufsunfähigkeit – und welche Chancen ergeben sich daraus für Makler?

Aufgrund ihrer Tätigkeit im Freien werden die Mitglieder der grünen Berufe in der Regel als hoch bis sehr hoch eingestuft, wenn es um das Risiko für die Berufsunfähigkeit geht. Für Gärtner beispielsweise schätzen manche Versicherer das Risiko ähnlich hoch ein wie für Polizisten oder Soldaten (Stufe vier von vier). Und das aus gutem Grund: Schließlich ist bei ihnen die Gefahr für Unfälle ebenso wie die einer Erkrankung aufgrund körperlicher Überlastung gegenüber einem akademischen Beruf oder einer Bürotätigkeit deutlich erhöht. Es lohnt sich deswegen, die Angehörigen der grünen Berufe verstärkt auf die Vorteile eines frühzeitigen Abschlusses hinzuweisen: Denn wenn im Laufe des Berufsleben die ersten Erkrankungen auftreten, wird der Versicherungsschutz deutlich teurer.

Handwerk und Mittelstand: Unterschätzen wir das Potenzial?

Es ist jedoch nicht allein das vergleichsweise hohe Risiko, das für eine Spezialisierung auf die Gruppe der grünen Berufe spricht. Viele der „grünen“ Unternehmen sind handwerkliche Betriebe mit guter bis sehr guter Auftragslage. Die deutschen Gärtner zum Beispiel produzieren drei Viertel der Beet- und Balkonpflanzen, die sie verkaufen, selbst. Auf diese Weise bleiben den Pflanzen lange Transportwege erspart, was sie robuster und langlebiger macht – ein Unterschied zu den Baumarkt- und Discount-Angeboten, den auch die Kunden spüren und schätzen.

Der durchschnittliche Jahresumsatz einer Einzelhandelsgärtnerei liegt zwischen 500.000 und 600.000 Euro,bei Großgärtnereien entsprechend höher. Insgesamt verzeichnet der Zentralverband Gartenbau pro Jahr rund 3,8 Milliarden Euro Umsatz. Baumschulen, die die Welt mit dem immer begehrteren Baustoff Holz versorgen, erreichen auch als Einzelunternehmen nicht selten Umsätze im Millionenbereich. Trotzdem haben viele Makler den Mittelstand und vor allem das Handwerk bisher noch kaum in den Fokus gerückt.

Saisonale Schwankungen bedenken

Eine gründliche Einarbeitung in die Themenwelt der grünen Berufe bedeutet auch, sich mit den saisonalen Schwankungen der Branche vertraut zu machen. Planmäßig ruht der Anbau von Zier- und Nutzpflanzen während der kalten Monate weitestgehend. Andererseits kann schon ein verspätet einsetzender Frühling die Jahresplanung gehörig durcheinander bringen. Bei der Ansprache von Garten- und anderen grünen Betrieben ist es deshalb wichtig, vorausschauend zu beraten. Die Versicherungsbeiträge für die umsatzschwächeren Monate sollten rechtzeitig mit einkalkuliert werden. Auch die Möglichkeit, im Falle eines vorübergehenden Engpasses die Beiträge unter Aufrechterhaltung des Versicherungsschutzes auszusetzen, ist ein wichtiges Argument für diese Branche.

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