Top oder Flop? Die neue BU der Helvetia

Berater Top News von Guido Lehberg

Mit einer selbstständigen BU-Versicherung erweitert die Helvetia den Markt für Berufsunfähigkeitsabsicherung. Doch was taugt der neue Tarif? Der Gütersloher Versicherungsmakler Guido Lehberg hat einmal einen Blick auf die Bedingungen geworfen.

Hat sich die neue SBU der Helvetia einmal genauer angeschaut: Makler Guido Lehberg.

Hat sich die neue SBU der Helvetia einmal genauer angeschaut: Makler Guido Lehberg. Foto: procontra

Die Helvetia ist zum 1. April mit einer neuen selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung auf den Markt gekommen. Doch lohnt es sich für Makler und Kunden, diesen Tarif einmal genauer unter die Lupe zu nehmen? Was fällt auf, wenn man sich durch die Versicherungsbedingungen arbeitet?

Positiv ist erst einmal zu bewerten, dass auch nach einem Ausscheiden aus dem Berufsleben dauerhaft auf die abstrakte Verweisung verzichtet wird. Gleiches gilt für eine Umorganisation des Betriebs bei Unternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitern sowie für Selbstständige mit abgeschlossenem Studium, die zu mehr als 90 Prozent Bürotätigkeiten verrichten.

Ebenfalls mitversichert ist eine Berufsunfähigkeit, die durch vorsätzliche Verkehrsdelikte (z.B. Geschwindigkeitsüberschreitung, Trunkenheit am Steuer) verursacht wurde. Ein Punkt, der sonst nur von wenigen Anbietern am Markt mitversichert wird. Die Eintrittswahrscheinlichkeit ist jedoch auch sehr gering.

Neben Berufsunfähigkeit durch Krankheit und Körperverletzung ist bei Helvetia nur der „mehr als altersentsprechende Kräfteverfall“ mitversichert. Über einen Nachteil gegenüber der einfachen Formulierung „Kräfteverfall“ wird seit Jahren diskutiert. Ich persönlich halte diese Formulierung jedoch für wichtig.

Kommt es zu einer unbefristeten Anerkennung eines Leistungsfalls (die Helvetia kann die Leistung auch auf maximal 12 Monate befristen), kann das Fortbestehen der Leistung im Rahmen der konkreten Verweisung geprüft werden, wenn der Versicherungsnehmer eine andere Tätigkeit ausübt. Hierbei müssen zwar neu erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten berücksichtigt werden, die Schweizer haben hier aber klar formuliert, dass die versicherte Person bis zu 80% des letzten Bruttoeinkommens hinzuverdienen darf, ohne die Leistung zu gefährden.

Teufel steckt im Detail

Leider steckt der Teufel aber wie so häufig im Detail. So hat die Helvetia in ihren Bedingungen festgehalten, dass im Leistungsfall „…zumutbaren ärztlichen Vorschlägen zur Besserung der gesundheitlichen Verhältnisse der versicherten Person Folge zu leisten“ sei. Nimmt der Leistungsprüfer diesen Passus im Leistungsfall ernst, so kann er praktisch alles vom Kunden verlangen, was nicht besonders schmerzhaft und relativ gefahrlos ist sowie vermeintlich helfen könnte. „Ich schlage vor, Sie nehmen einfach 30 Kilogramm ab“, könnte so ein Vorschlag beispielsweise lauten.  

Interessant ist eine BU-Versicherung gerade auch für junge Leute. Versichert werden Schüler bei der Helvetia allerdings maximal bis zum 62. Lebensjahr. Dies ist ein klarer Nachteil! Die Begründung hierhinter liegt im kalkulatorischen Risiko, das auf den Kunden übertragen wird: Schließlich weiß die Versicherung bei Schülern nicht, ob sie später einmal einem körperlich anstrengenden Beruf nachgehen werden.

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