Kollision in der Autobahnbaustelle - wer muss zahlen?

Berater Recht & Haftung von Martin Thaler

Autobahnbaustellen sind eng und sorgen bei manchem Autofahrer für Schweißausbrüche. Doch wer muss zahlen, wenn es beim Überholvorgang zu einer Kollision kommt? Diese Frage musste nun das Amtsgericht Brandenburg beantworten.

Autobahn-Baustellen sorgen bei vielen Autofahrer für schwitzige Hände.

Autobahn-Baustellen sorgen bei vielen Autofahrer für schwitzige Hände. Foto: hpgruesen - Pixabay.de

Baustellen auf Autobahnen sind bei den meisten Autofahrern unbeliebt – vielen wird angesichts der Fahrbahnverengung auch gerne einmal mulmig, wenn es ums Überholen geht. Doch wer haftet eigentlich, wenn es zu einem Zusammenstoß kommt? Mit dieser Frage musste sich nun auch das Amtsgericht Brandenburg auseinandersetzen (Az: 31 C 71/16).  

Was war passiert?  

Auf einer Autobahn war die Fahrbahn im Rahmen von drei auf zwei Spuren verengt worden. Die rechte, also die Überholspur, war dabei nur für Fahrzeuge mit einer Breite von bis zu zwei Metern freigegeben.  

Das hielt einen Mann allerdings nicht davon ab, diese Spur mit dem 2,06-Meter-breiten Pkw seines Onkels zu befahren. Er ahnte dabei nichts Böses – schließlich war in den Fahrzeugpapieren eine Breite von 1,80 Meter eingetragen. Diese Angabe berücksichtigte allerdings nicht die Seitenspiegel.  

Als der Mann einen Lastwagen überholte, scherte dieser nach links aus, so dass die beiden Fahrzeuge kollidierten. Der Pkw war zudem noch mit der Leitplanke auf der linken Seite kollidiert.  

Die Versicherung des Lkw-Fahrers wollte allerdings lediglich 20 Prozent des entstandenen Schadens zahlen. Schließlich hätte der Pkw aufgrund seiner zu großen Breite gar nicht auf der Überholspur fahren dürfen. Daraufhin zog der Pkw-Fahrer vor Gericht.  

Das Urteil  

Das sahen die Richter jedoch anders. Zwar erkannten auch die Richter an, dass der Pkw-Fahrer die Überholspur nicht hätte benutzen dürfen. Gerade weil er mit einem unbekannten Fahrzeug unterwegs war, hätte er besondere Aufmerksamkeit an den Tag legen müssen. Da in den Fahrzeugpapieren die Fahrzeugbreite jedoch mit 1,80 Meter angegeben worden war, habe der Mann nur fahrlässig und nicht grob fahrlässig gehandelt.  

Allerdings sei der Unfall hauptsächlich vom Lkw-Fahrer verursacht worden, da dieser auf die Überholspur geraten sei. Aus diesem Grund müsse dieser für 60 Prozent des Schadens aufkommen, die restlichen 40 Prozent seien vom Pkw-Fahrer zu begleichen. 

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare