Weiterbildungspflicht: Wen sie trifft und warum sie Chancen bietet

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Die Umsetzung der IDD in deutsches Recht wird auch eine Weiterbildungspflicht enthalten. Wer genau davon betroffen sein wird und welche Chancen sich Versicherern aber auch Maklerunternehmen bieten.

Dr. Beenken: Regulierung als Chance

Prof. Dr. Matthias Beenken: Regulierung als Chance begreifen! Bild: M. Fiedler / procontra

Die Weiterbildungspflicht für Versicherungsvermittler wird kommen – das ist nicht neu. Aber die Weiterbildungspflicht trifft nicht nur auf Vertriebsmitarbeiter zu. Denn die IDD wertet auch Versicherungsunternehmen selbst als Vertreiber von Versicherungen (Art. 2 Abs. 1 Nr. 8 IDD).
Auf der Veranstaltung „Vertriebsmanagement 2017 – Umfeldveränderungen, Auswirkungen, Lösungsansätze“ am 16.03. in Leipzig machte Prof. Dr. Beenken (FH Dortmund) deutlich, dass Versicherer in Sachen Weiterbildung vor einer riesigen Herausforderung stehen.
Laut Artikel 10 der IDD müssen Versicherungsvertreiber folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Angemessene Kenntnisse und Fähigkeiten
  • Ständige berufliche Weiterbildung (mind. 15 h/a)
  • Mechanismen zur wirksamen Kontrolle und Bewertung der Kenntnisse und Fähigkeiten

Diese Punkte sind für alle Vertreiber von Versicherungen (also auch Versicherungsunternehmen) gleich. Bei Versicherungsvermittlern kommt der Sachkundenachweis hinzu.

Nicht „nur“ der Außendienst von Versicherern wird 15 Stunden pro Jahr für Qualifizierungsmaßnahmen aufwenden müssen. Die Weiterbildungspflicht betrifft alle Mitarbeiter, die im Versicherungsvertrieb tätig sind.
Welche Berufsbilder gemeint sind, ergibt sich aus der Definition von Versicherungsvertrieb (Art. 2 Abs. 1 Nr. 1 IDD):
„die Beratung, das Vorschlagen oder Durchführen anderer Vorbereitungsarbeiten zum Abschließen von Versicherungsverträgen, das Abschließen von Versicherungsverträgen oder das Mitwirken bei deren Verwaltung und Erfüllung, insbesondere im Schadenfall, einschließlich der Bereitstellung von Informationen über einen oder mehrere Versicherungsverträge aufgrund von Kriterien, die ein Kunde über eine Webseite oder andere Medien wählt, sowie die Erstellung einer Rangliste von Versicherungsprodukten, einschließlich eines Preis- und Produktvergleichs, oder ein Rabatt auf den Preis eines Versicherungsvertrags, wenn der Kunde einen Versicherungsvertrag direkt oder indirekt über eine Website oder ein anderes Medium abschließen kann.“

Auch Maklerbetriebe betroffen

Die Weiterbildungspflicht betrifft auch Maklerbetriebe. Die 15 Stunden gelten nicht „nur“ für den Makler selbst, sondern auch für jene Beschäftigte, die entsprechend der Definition Aufgaben erfüllen. 

Beenken riet den Versicherern, die Weiterbildungspflicht auch zu nutzen, um sich als Unternehmen neu aufzustellen: Wie sieht die Arbeitsteilung in meinem Unternehmen aus? Welche Prozesse finden statt und wie können sie angepasst werden?
Diese Fragen sind nicht nur für Versicherer relevant. Auch Maklerbetriebe mit entsprechender Größe sollten sich entsprechend vorbereiten und prüfen, welche Mitarbeiter laut IDD-Definition im Vertrieb tätig sind und deshalb künftig den Weiterbildungspflichten unterliegen.

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