Unfallmeldedienst: Bislang kein Kassenschlager

Versicherungen von Florian Burghardt

Ein Jahr nach der Einführung seines Notrufsystems zieht der GDV Bilanz. Viele Stecker fanden bisher keinen Weg in die Autos der Deutschen, dafür ist die Anzahl der Schäden erfreulich. Beim Verband hat man Theorien, woran das liegen könnte.

Zwölf Monate nach der Einführung halten sich die Nutzerzahlen des Unfallmeldedienstes stark in Grenzen.

Zwölf Monate nach der Einführung halten sich die Nutzerzahlen des Unfallmeldedienstes stark in Grenzen. Bild: GDV

Vor einem Jahr hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) seinen Unfallmeldedienst (UMD) gestartet. Dadurch sollen Rettungskräfte schneller an den Unfallort gelangen, um Leben zu retten.

Aber auch bei Blechschäden und Pannen kann über den UMD rasch Hilfe organisiert werden. Damit wollen sich die Versicherer im Kampf um die Kundendaten gegenüber den Automobilherstellern positionieren, die ihre Variante „eCall“ ab dem 31. März 2018 in alle Neuwagen und leichten Nutzfahrzeuge einbauen muss. So könnten die Hersteller die Autofahrer im Schadenfall bevorzugt zu eigenen Autohäusern und Werkstätten schicken, was die Versicherer gegebenenfalls teurer kommen würde als eine Regulierung bei ihren Vertragspartnern.

Wenig Absatz, kaum Notfälle

Der Unfallmeldestecker des GDV und die zugehörige Smartphone-App können für alle Fahrzeuge, auch Gebrauchtwagen, genutzt werden. Eine halbe Million der Stecker für den Zigarettenanzünder lagen zum Start des Programms vor einem Jahr bereit. Bisher fanden rund 85.000 davon den Weg in deutsche Autos, wie der Gesamtverband gestern mitteilte.

Insgesamt wurde über das Notrufsystem nur 270 Mal Hilfe angefordert – schwere Unfälle, aber auch Blechschäden und Pannen mit eingerechnet. Bezogen auf rund 45 Millionen gemeldete Pkw in Deutschland und die zuletzt wieder gestiegene Zahl der Verkehrsunfälle ist die Schadenhäufigkeit extrem niedrig.

Beim GDV erklärt man sich den Wert mit einem möglicherweise positiven psychologischen Effekt, den der UMD bei den Autofahrern erzeugt oder auch damit, „dass unsere Kunden grundsätzlich vorsichtige Fahrer sind“, so Jens Bartenwerfer, Geschäftsführer der GDV Dienstleistungs-GmbH. Möglicherweise werden die gekauften Stecker aber auch einfach nicht benutzt oder der manuelle Notruf wird nach einer Panne oder einem leichten Blechschaden vom Fahrer nicht ausgelöst.

Die Unfallmeldestecker werden direkt beim Kfz-Versicherer erworben und sind häufig Bestandteil des hauseigenen Schutzbriefs. Über 30 Anbieter starteten in 2016 ihr Angebot. Die Preise dafür liegen im Schnitt zwischen 10 und 15 Euro jährlich – entweder für den Schutzbrief oder als separate Gebühr für den Stecker. Bei manchen Versicherern kostet er aber auch mehr als das Doppelte, wieder bei anderen ist er umsonst.

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