Studie: Bürgerversicherung kostet 300.000 Arbeitsplätze

Versicherungen von Martin Thaler

Im Wahljahr 2017 geht es auch wieder einmal um die Einführung einer Bürgerversicherung. Eine solche hätte allerdings gravierende Folgen auf den Arbeitsmarkt, rechnet eine neue Studie vor.

Das WifOR-Institut geht davon aus, dass die Einführung einer Bürgerversicherung 300.000 Arbeitsplätze kosten könnte.

Das WifOR-Institut geht davon aus, dass die Einführung einer Bürgerversicherung 300.000 Arbeitsplätze kosten könnte. Foto: succo - Pixabay.de

Die Einführung einer Bürgerversicherung würde schwerwiegende Folgen für hunderttausende Menschen haben – mehr als 300.000 Erwerbstätigte würden durch die Einführung eines solchen Systems ihre Arbeitsstelle verlieren. Dies Zahl präsentierte nun das Darmstädter WifOR-Forschungsinstitut im Rahmen einer im Auftrag des Verbands der Privaten Krankenversicherung erstellten Studie.  

In dieser heißt es: „In einer Bürgerversicherung ohne die Private Krankenversicherung (und der dazugehörigen Beihilfe für privatversicherte Beamte mit Angehörigen) entfiele eine Bruttowertschöpfung in Höhe von 13,4 Mrd. Euro, die in Deutschland durch Mehrumsätze der Privatpatienten finanziert wird. Damit verbunden wäre der Wegfall von 303.048 Erwerbstätigen, die diese vom Mehrumsatz finanzierte Bruttowertschöpfung zum Beispiel im Bereich der ambulanten oder stationären medizinischen Versorgung erwirtschaften.“  

Insgesamt, so rechnet das WifOR-Institut vor, würden insgesamt 705.016 Arbeitsplätze von der durch die PKV erzielten Bruttowertschöpfung (insgesamt 37,3 Milliarden Euro) abhängen. Auch sonst betont die Studie den großen wirtschaftlichen Fußabdruck der Privaten Krankenversicherung.

300.000 oder 51.000?

Mit dieser Schätzung übertrifft das WifOR-Institut eine Schätzung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Diese hatte in einer Studie im vergangenen Herbst dargelegt, dass die Einführung einer Bürgerversicherung zu einem Stellenabbau zwischen 22.700 und 51.000 Stellen führen würde. Kritik folgte prompt vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Und auch diesmal meldete sich Lauterbach wieder zu Wort und kommentierte einen Pressebericht zu besagter Studie.  

Angesichts der kommenden Bundestagswahl bringen sich Gegner und Befürworter einer Bürgerversicherung derzeit in Position. Für die Bürgerversicherung stark machen sich unter anderem die Linke, die Grünen (Bestandteil des jüngst vorgestellten Parteiprogramms) sowie die SPD. Letztere spricht sich aber für eine Beibehaltung der privaten Krankenversicherung aus, wie einem von der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellten Konzept zu entnehmen ist.  

Zuletzt hatte auch eine Studie der Bertelsmann-Stiftung für Aufsehen gesorgt. Diese hatte vorgerechnet, dass eine Überführung aller Beamten in die Gesetzliche Krankenkasse dem Staat finanzielle Entlastungen in Höhe von 60 Milliarden Euro bringen könnte.

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