PKV: Wie sich Notlagentarif und Unterstützungskasse ergänzen können

Berater Top News von Dr. Johannes Fiala und Peter Schramm

Rund 5 Prozent der PKV-Versicherten (VN) befinden sich in Sozialtarifen (Standardtarif, Notlagentarif, Basistarif) - Tendenz steigend. Wie die Leistungseinschränkungen durch Unterstützungskassen abgemildert werden können und welche Nachteile damit verbunden sind, erläutern Dr. Fiala und Peter Schramm im Gastbeitrag.

Notlagentarif PKV Unterstützungskasse Fiala

Können die Folgen reduzierten Leistungen im Notlagentarif der PKV abgemildert werden? Ja, so RA Fiala. Im Gastbeitrag erklärt er wie. Bild: Kanzlei Fiala

In den Notlagentarif werden PKV-Versicherte mit erheblichen Beitragsrückständen durch ein besonderes Mahnverfahren „ausgesteuert“ (§ 193 VII VVG). Weit mehr Versicherte vermindern oft nicht erst im Alter ihren Versicherungsschutz durch Tarifwechsel, höhere Selbstbehalte und Herausnahme von z.B. Wahlleistungen im Krankenhaus, um eine deutliche Beitragsreduktion zu erreichen.

Notlagentarif statt Basistarif seit 01.08.2013

Wegen der gesetzlichen Versicherungspflicht kann der Versicherer (VR) die PKV nicht kündigen, bleibt leistungspflichtig trotz Nichtzahlung von Beiträgen durch den VN, und wird daher seine Leistungspflicht durch Umstellung auf den Notlagentarif mindern, woraus sich dann eine niedrigere Prämie von bis zu weniger als 100 Euro ergibt.
Der VN kann aber auch einen Tarifwechsel (ggf. in den Standardtarif auf Krankenkassenniveau) vorziehen, wenn er dies bevorzugt, anstatt die Zahlungen einzustellen. Oder er kann in einen Tarif mit hohem Selbstbehalt bis 5.000 EUR jährlich oder abgemagerten Leistungen wechseln. Im Basistarif mit nahezu Krankenkassenleistungen zahlen Sozialhilfebedürftige einen reduzierten Beitrag, den ggf. sogar der Staat übernimmt.

Notlagentarif sichert Leistungen im Akutfall – auch ohne Beitragszahlung

Im Notlagentarif erhält er fast nur Leistungen in allen akuten Fällen - auch schmerzstillende Zahnbehandlung inklusive dafür erforderlicher Füllung, aber keinen neuen Zahn, wenn einer gezogen wurde. Das ist nicht menschenunwürdig. Die Autoren haben selbst einige Mandanten, die sehr gerne im Notlagentarif sind, solange sie nicht eine teurere Wunschbehandlung möchten, und stets ca. 200 EUR schuldig bleiben, damit sie nicht vor der Zeit, in der sie es selbst wünschen, zurück in ihren leistungsstarken aber teuren ursprünglichen Tarif kommen. Sie sparen damit jeden Monat bis zu 1.000 EUR Beitrag und zahlen davon manche Kleinigkeit selbst. Insolvent sind davon die wenigsten, aber sie möchten besser leben. Sogar ohne Beitragszahlung erfüllen sie im Notlagentarif weiter die gesetzliche Versicherungspflicht.

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