PKV-Expertencheck: Münchener Verein fällt durch

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In einem Rating die Höchstnote erzielen ist eine Sache, die Analyse einer PKV-Expertin überstehen eine andere. Maklerin Anja Döring hat sich die Sieger des Ascore-PKV-Scorings einmal genauer angesehen. Für manche gab es Lob, für andere Tadel.

Anja Döring

Hat sich das Ascore-PKV-Rating genauer angesehen: Maklerin Anja Döring. Bild: procontra

Anja Döring ist Geschäftsführerin der KVoptimal.de GmbH. Zusammen mit ihrem Team hat sich die Maklerin auf die Tarifoptimierung von privat Krankenversicherten spezialisiert. Für procontra hat sie das aktuelle PKV-Volltarife-Rating des Analyse- und Software-Unternehmens Ascore und die darin aufgeführten Sieger-Tarife (6 Sterne) einmal genauer betrachtet.

Aus ihrer Sicht sei die grundsätzliche Herangehensweise von Ascore zur Bewertung von PKV-Volltarifen solide. Alle abgeprüften Leistungskriterien gleich stark zu gewichten, sei eine sinnvolle Strategie, da für jeden Versicherten ein anderes Leistungsmerkmal besonders wichtig ist.

„Allerdings vermisse ich im Test auch einige Themenbereiche, die in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen haben“, merkt Döring an. Diese sind:

  • Podologie bei den Heilmitteln
  • Palliativversorgung
  • Hospizleistungen
  • Soziotherapie
  • Begrenzungslisten bei Heilmitteln oder Material- und Laborkosten
  • Summenbegrenzung bei Zahnleistungen

Grundschutz: Münchener Verein wenig überzeugend

Bei den Grundschutz-Konzepten ist Döring nur halb zufrieden mit dem Ratingergebnis: „Der R+V-Tarif AGIL classic pro (CP0U bis CP3U) zeigt in allen Bereichen eine grundsolide Leistung und hat zurecht 6 Sterne erhalten.“

Unverständlich ist für die PKV-Expertin hingegen das ausgezeichnete Abschneiden des Tarifs „BONUS CARE CLASSIC SB (Tarife 866, 869)“ vom Münchener Verein. „Dieser enthält weder Erhöhungsoptionen, noch die wichtigen Themenfelder Hospiz, Palliativversorgung und Soziotherapie“, kritisiert Döring.

Ein sogar „gravierender“ Nachteil ist aus ihrer Sicht, dass Hilfsmittel ab einem Wert von 2.000 Euro nur zu 75 Prozent übernommen werden und das auch nur, wenn der Versicherte sich vorab eine Leistungszusage beim Versicherer abholt.

Döring schildert den Ernstfall: „Bekommt der Kunde im Notfall ein lebenserhaltendes Hilfsmittel wie einen Herzschrittmacher, so kann er vorher keine Leistungszusage einholen. Dann erhält er in diesem Tarif nur 65 Prozent der Kosten erstattet. Gerade Hilfsmittel sind existenzbedrohende Leistungen, die den Kunden schnell an seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bringen können.“

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