Pflege-Grundwissen für Makler: Pflegende Angehörige

Pflegegeld von Sebastian Wilhelm

Rund 47 Prozent der Pflegebedürftigen werden in Deutschland allein von Angehörigen gepflegt. Das bedeutet für die Pflegenden häufig eine extreme Belastung, psychisch wie physisch. Verschärfend kommen oftmals finanzielle Nöte hinzu. Das sollten Makler darüber wissen.

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Auf die Frage, warum sie nicht privat für den Pflegefall vorsorgen, antworteten 2014 bei einer Umfrage 59 Prozent der Teilnehmer: „Partner/Familie pflegt“. Das Vertrauen auf die helfenden Hände der nahen Angehörigen ist also groß. Mit der jüngsten Pflegereform wurden deren Rechte zwar erweitert, das Grundproblem jedoch nicht gelöst.

Was vielen Menschen nicht bewusst ist: Die heimische Pflege durch Angehörige ist erstens ein enormer Kraftakt für die Pflegenden, die daher Entlastung und Unterstützung brauchen, und zweitens in aller Regel ebenfalls kostspielig. Denn je nach Pflegeaufwand muss im Job kürzergetreten oder ganz pausiert werden, was die gesetzliche Pflegeversicherung nur zum Teil kompensiert. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Kinder nicht mehr in unmittelbarer Nähe ihrer Eltern leben. Aber der Reihe nach.

Mehr Rechte für pflegende Angehörige

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) wurde es Angehörigen weiter erleichtert, sich um Pflegebedürftige zu kümmern. Die Pflegenden sind bei der Bundesagentur für Arbeit versichert, woraus ein Anspruch auf Arbeitslosengeld I nach der Pflegezeit resultiert. Wer als Angehöriger einen Pflegedürftigen ab Pflegegrad 2 mindestens zehn Stunden wöchentlich versorgt, erhält Rentenversicherungsbeiträge gutgeschrieben. Ein Pflegeunterstützungsgeld gibt es als Ersatz für maximal zehn pflegebedingt ausgefallene Arbeitstage pro Pflegefall. Hinzu kommt das Recht auf umfassende Beratung. Und natürlich das Pflegegeld aus der Sozialen Pflegeversicherung – selbst im Pflegegrad 5 entspricht das lediglich 901 Euro monatlich, zuzüglich des gegen Belege erstatteten Entlastungsgelds von 125 Euro.

Angesichts der Vollzeit-Aufgabe, die die Versorgung Pflegebedürftiger darstellt, sind das alles Peanuts. Denn wer seinen Job oder seinen Wohnort aufgeben muss, dem ist mit ein paar Hundert Euro kaum geholfen. Wenn man aber intensive Pflege Angehöriger und die Berufsausübung miteinander vereinbaren muss, ist der Burn-out nur eine Frage der Zeit.

Pflegende sind stark depressionsgefährdet

Der Anteil psychisch Erkrankter liegt unter pflegenden Angehörigen um zehn Prozent höher als im Rest der Bevölkerung. Die Folge der äußerst belastenden Aufgabe, der die Pflegenden nachgehen, wird durch die häufige Geldknappheit noch verschärft. Schätzungen gehen davon aus, dass circa 20 Prozent der pflegenden Angehörigen eine Depression erleiden. Die Pflegeexpertin Dr. Cornelia Heintze sagte kürzlich im Bayerischen Rundfunk: „Das Risiko, krank zu werden, ist bei den pflegenden Angehörigen viel höher als bei den nicht Pflegenden. Viele halten dann so lange an dieser Aufgabe fest, bis sie zusammenbrechen … bis Burn-out angesagt ist oder bis sie in die Klinik kommen mit Depressionen oder sich schwere orthopädische Probleme eingestellt haben.“

Eltern haften für ihre Kinder

Vielen könnte es besser gehen, wenn die finanziellen Mittel für eine professionelle Unterstützung ausreichen würden. Doch eine Pflegekraft oder ein ambulanter Pflegedienst ist für zahlreiche Pflegebedürftige oftmals schlicht nicht erschwinglich. In diesem Fall können die Angehörigen zur Übernahme von Kosten herangezogen werden.

Dies alles sollte den Menschen klar sein, die sich auf ihre Angehörigen verlassen und aus diesem Grund auf private Pflegevorsorge verzichten. Wer mit einer guten Pflegezusatzversicherung vorbeugt, tut nicht nur sich, sondern auch seinen Liebsten einen großen Gefallen.

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