Lebensabend im Ausland immer beliebter

Pflegegeld von Sebastian Wilhelm

Ob das Klima lockt, die Natur oder günstige Lebenshaltungskosten: Die deutschen Rentner zieht es vermehrt ins Ausland. Wer mit der Idee liebäugelt, sollte sich gut vorbereiten – und dabei auch für den Pflegefall vorsorgen.

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Knapp 230.000 Deutsche ließen sich ihre Rente 2015 ins Ausland überweisen, wie aus Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervorgeht. Drei Jahre zuvor waren es noch rund 218.000. Dieser Aufwärtstrend dürfte sich in den kommenden Jahren verstärken. Denn zum einen wird die Zahl der Rentner zunehmen; zum anderen haben immer mehr zukünftige Ruheständler bereits internationale Erfahrung und daher weniger Hemmungen vor dem Auswandern. 38 Prozent der Deutschen schließen es laut einer Ipsos-Umfrage zumindest nicht aus, den Herbst ihres Lebens fern der Heimat zu verbringen.

Dabei geht es nicht unbedingt um Dauerurlaub unter Palmen, auch wenn Spanien und Portugal vorne dabei sind und sich Thailand sowie die Philippinen ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Die Nummer eins unter den Destinationen ist für deutsche Ruheständler die Schweiz. Und auch die USA stehen hoch im Kurs. Diese letztgenannten Länder bieten zwar keine niedrigen Lebenshaltungskosten, doch immerhin erhebt der deutsche Fiskus keine Steuern auf die dorthin überwiesenen Auslandsrenten.

Das sollten Rentner in spe vor dem Auslandsumzug beachten

Auch wenn die Deutsche Rentenversicherung ihre Zahlungen prinzipiell in alle Länder der Welt überweist, sollte man sich vor einer Auswanderung vergewissern, dass keine Abschläge erfolgen. Insbesondere Erwerbsminderungsrenten können Kürzungen unterliegen. Und auch die Steuerfrage sollte im Vorfeld geklärt werden, sonst drohen womöglich böse Überraschungen.

Ein weiterer gern unterschätzter Kostenfaktor ist die Gesundheitsvorsorge, konkret: die Kranken- und Pflegeversicherung. Gesetzlich Versicherte können innerhalb Europas zwar bei ihrer Krankenkasse bleiben, doch deren Leistungen richten sich dann nach dem Standard des Ziellandes. Unter Umständen kann der Schutzumfang also deutlich geringer ausfallen als gewohnt und damit höhere Zuzahlungen erforderlich machen. Wer Europa verlässt, muss sich sogar um eine neue Krankenvollversicherung kümmern. Die kann zwar auch in Deutschland als Auslandsschutz abgeschlossen werden, jedoch gemeinhin nur für höchstens fünf Jahre.

Das Thema Pflege sollte ebenso wenig aus dem Blick geraten. Schließlich ist das Risiko einer Pflegebedürftigkeit im Alter besonders hoch. Wer nur auf die deutsche gesetzliche Pflegeversicherung vertraut, kann im Falle des Falles vor einer Finanzierungslücke stehen. Denn ins Ausland wird lediglich das Pflegegeld überwiesen, eventuell ergänzt um einen Teil der Sachleistungen. Um damit hochwertige Pflegeleistungen bezahlen zu können, muss man schon in einem Niedrigstlohnland leben. Wer im Pflegefall nicht auf westeuropäischen Standard verzichten will, muss mit hohen Zuzahlungen rechnen.

Der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung mit weltweiter Geltung gehört daher ebenfalls auf die To-do-Liste für Auswanderungswillige. 

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