Große Nachfrage: Zahl der BU-Verträge hat sich verzehnfacht

Berater von Martin Thaler

Die Zahl der BU-Verträge in Deutschland steigt seit Jahren kontinuierlich an. Auch die durchschnittliche Jahresrente tendiert in die gleiche Richtung. Dennoch wird erneut Kritik an den jetzigen Bedingungen laut.

Die Zahl der BU-Verträge hat sich seit 1999 beinahe verzehnfacht.

Die Zahl der BU-Verträge hat sich seit 1999 beinahe verzehnfacht. Foto: procontra

Die Zahl der BU-Verträge ist in Deutschland über die vergangenen Jahre deutlich gestiegen: Gab es zum Jahresende erst 472.000 Verträge hat sich diese Zahl bis heute nahezu verzehnfacht. Dies geht aus Zahlen hervor, die die Bundesregierung als Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion (liegt procontra vor) geliefert hat.  

Demzufolge hatten Ende 2015 über vier Millionen Menschen eine eigenständige BU-Versicherung. Hinzu kommen aber über 12 Millionen Berufsunfähigkeitszusatzversicherungen, wie die Bundesregierung angab.

 

Steigerungen sind nicht nur bei der Zahl der BU-Verträge auszumachen, sondern auch bei der Höhe der durchschnittlichen Jahresrenten. So stiegen diese von 8.900 Euro im Jahr 1999 auf 12.300 Euro im Jahr 2015. Die Bundesregierung erklärte hierzu: „Mit einer durchschnittlich versicherten monatlichen Berufsunfähigkeitsrente von mehr als 1.000 Euro je Einzelversicherung wird aus Sicht der Bundesregierung ein wichtiger Beitrag zum Einkommen im Fall der Berufsunfähigkeit geleistet.“  

Auf die meisten Fragen der Parlamentarier konnte die Bundesregierung nur bedingt antworten, da kein eigenes Datenmaterial vorrätig war. Stattdessen wurde zumeist auf Daten des Branchenverbandes GDV verwiesen.  

Den Initiatoren der Anfrage scheint diese Datenlage aber auszureichen, um grundlegend Kritik zu üben. Die grüne Sprecherin für Verbraucherpolitik Nicole Maisch erklärte: „Leider greifen Berufsunfähigkeitsversicherungen in vielen Fällen nicht, sind intransparent und teuer. Viel zu oft verstecken sich im Kleingedruckten Ausschlussklauseln, die Verbraucherinnen und Verbraucher im Schadensfall schutzlos dastehen lassen. Schlimm ist auch, dass Menschen, die sich in einem Notfall befinden, oft viel zu lange auf den Abschluss der Leistungsprüfung warten müssen, die dann eben auch noch in vielen Fällen negativ ausfällt.“

So sei es aus Sicht von Maisch kein Wunder, dass sich viele Menschen gegen eine grundsätzlich sinnvolle Berufsunfähigkeitsversicherung entscheiden.  

Diese Aussage mag angesichts der stark steigenden Nachfrage nach BU-Versicherungen auf den ersten Blick erstaunen – hat sich die Zahl der eigenständigen BU-Verträge gemäß von der Bundesregierung vorgelegten Zahlen doch in den vergangenen Jahren verzehnfacht.

Angesichts von allein 31 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist hier jedoch weiterhin noch viel Luft nach oben. Für viele Berufsgruppen, insbesondere für körperlich Tätige, wird es aufgrund hoher Prämien, jedoch zunehmend schwierig, überhaupt eine BU-Versicherung abschließen zu können. Kritiker, wie BdV-Präsident Axel Kleinlein, fordern aus diesem Grund die Rückkehr zu einem gesetzlichen BU-Grundschutz für Jedermann. Die Gegenseite argumentiert, dass dies nicht finanzierbar sei.

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