Geschlossene Sachwertanlagen: Weniger Haftung, mehr Vertrieb?

Sachwerte von Michael Fiedler

Das aktuelle AfW-Vermittlerbarometer zeigt, warum sich Finanzanlagevermittler vom Vertrieb geschlossener Investments abwenden. Produktgeber sollten mehr Aufklärungsarbeit leisten, findet AfW-Vorstand Norman Wirth. Doch auch Haftungsfragen spielen eine wichtige Rolle.

AfW-Vorstand Rechtsanwalt Norman Wirth

AfW-Vorstand Norman Wirth fordert mehr Aufklärungsarbeit in Sachen KAGB durch die Produktanbieter. Bild: procontra

Sie könnten vermitteln, tun es aber nicht. 38 Prozent der Inhaber einer 34f-Lizenz für geschlossene Investmentvermögen (Kategorie 2) lassen laut AfW-Vermittlerbarometer die Finger von dieser Produktsparte.
Als Gründe dafür werden genannt:

  1. Meine Kunden haben vor der Regulierung schlechte Erfahrungen mit Produkten dieser Art gemacht (42 Prozent).
  2. Es gibt nicht ausreichend viele vermittelbare Angebote bei den geschlossenen Sachinvestments (41 Prozent).
  3. Einzelnennungen wie: „zu wenig gute Produkte am Markt“, „intransparent“, „Teufelszeug“ (37 Prozent).
  4. Sachwertanlagen sind rechtlich zu komplex und damit zu beratungsintensiv (21 Prozent).

Dass geschlossene Sachinvestments bei vielen Vermittlern so einen schweren Stand haben, erklärt AfW-Vorstand Norman Wirth so: „Bei vielen Vermittlern ist noch nicht angekommen, dass sich mit den Änderungen durch Kapitalanlagegesetzbuch, das KAGB, extrem viel zum positiven, im Sinne von Transparenz und Sicherheit bei den Produkten getan hat. Hier gilt es vor allem durch die Produktgeber weiter Aufklärungsarbeit zu betreiben.“

Weniger Haftung, mehr Vermittlung?

Eine wichtige Rolle spielt auch die Plausibilitätsprüfung, die vom Vermittler selbst vorzunehmen ist und für die er auch haftet. Würde diese Vorgabe entfallen, könnten sich etliche Vermittler wieder mehr für die geschlossenen Sachwertanlagen erwärmen. Falls die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Plausibilität der Produkte verbindlich garantieren würde, geben 41 Prozent der Lizenzinhaber nach §34f Nr.2 an, sie würden diese Produkte dann auch wieder verstärkt vermitteln. 32 Prozent würden sie weiter wie bisher vermitteln. Weitere 9 Prozent würden dann erst in die Vermittlung einsteigen. Für 15 Prozent würde sich nichts ändern, sie blieben bei ihrer ablehnenden Haltung (3 Prozent gaben keine Antwort). 
„Leider ist eine Plausibilitätsprüfung seitens der BaFin in sehr weiter Ferne. Zwar wäre die Staatshaftungsproblematik über eine Versicherungslösung zu klären, aber grundsätzlich will und kann die BaFin das derzeit nicht leisten“ so Wirth.

Über die Studie:
Für das 9. AfW-Vermittlerbarometer hat der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung im Sommer 2016 über einen Online-Fragebogen 1.700 Vermittler zu den wichtigsten aktuellen Branchenthemen und -entwicklungen befragt. 86 Prozent der Umfrageteilnehmer haben eine Erlaubnis für die Versicherungsvermittlung (Paragraf 34d GewO), 57 Prozent eine Erlaubnis für die Finanzanlagenvermittlung (Paragraf 34f GewO). Davon halten 96 Prozent die Kategorie 1 (offene Investmentvermögen), 52 Prozent die Kategorie 2 (geschlossene Investmentvermögen) und 34 Prozent die Kategorie 3 (Vermögensanlagen). Jeder zweite (48 Prozent) der befragten Vermittler ist Mitglied im AfW, 13 Prozent gehören einem anderen Verband an.

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