Gemeinsame Rentenplattform: Versicherer erwarten Vertriebs-Booster

Versicherungen von Florian Burghardt

Trotz drohender Altersarmut vernachlässigen die Deutschen ihre Vorsorge. Eine säulenübergreifende Informationsplattform könnte den Vertrieb ankurbeln, zeigt eine Umfrage unter 18 Lebensversicherern. Doch das Projekt birgt auch Schwierigkeiten.

Aus Sicht der Versicherer könnte eine säulenübergreifende Renteninformationsplattform dem Altersvorsorgeabsatz zu einem kräftigen Schub verhelfen.

Aus Sicht der Versicherer könnte eine säulenübergreifende Renteninformationsplattform dem Altersvorsorgeabsatz zu einem kräftigen Schub verhelfen. Bild: Wikilmages/Pixabay.com

Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt – man könnte meinen, Deutschland geht es gut. Doch manche Statistiken sprechen eine andere Sprache.

So steigt hierzulande die Zahl der Menschen, die von Altersarmut und in deren Folge auch von sozialer Ausgrenzung bedroht sind kontinuierlich an. Prozentual betrachtet sind es sogar mehr als im EU-weiten Durchschnitt.

Ein Treiber dieser Entwicklung ist mangelnde private Altersvorsorge. Sei es durch Unwissenheit oder Überforderung: Ein Drittel der Deutschen glaubt, dass die gesetzliche Rente ihnen für ihren Lebensabend reichen wird.

Mehr Durchblick, mehr Abschlüsse

Aus Sicht der Lebensversicherer könnte eine, die Säulen der Altersvorsorge übergreifende Renten-Informationsplattform für mehr Aufklärung unter den Verbrauchern sorgen. Das geht aus einer Umfrage der MLP-Gruppe unter 18 Versicherungsunternehmen mit einem Altersvorsorge-Marktanteil von knapp 50 Prozent hervor. Die Umfrage hat MLP in seiner Funktion als Kompetenzpartner für die Deutsche Renten Information (DRI) erstellt, die an einer solchen Plattform arbeitet.

Alle Befragten sind sich darin einig, dass sich die Bürger aufgrund der vielen, nicht aufeinander abgestimmten Einzelinformationen verschiedener Anbieter kaum ein eigenes Bild davon machen können, wo sie mit ihrer Altersvorsorge insgesamt stehen. Auf der besagten Plattform wären dann alle Bezüge der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Vorsorge zusammengefasst.

Einigkeit besteht bei den Versicherern auch darin, dass eine säulenübergreifende Renteninformationsplattform maßgeblich dazu beitragen würde, dass die Menschen ihre ergänzende Altersvorsorge aktiver angehen.

Produktvergleich als Herausforderung

17 von 18 befragten Lebensversicherern unterstützen das Vorhaben und würden sich aktiv daran beteiligen. Für vier von ihnen wäre die Beschaffung und Bereitstellung der notwendigen Daten und Vertragswerte aber nur mit erhöhtem Aufwand zu bewältigen.

Alle befragten Altersvorsorge-Anbieter gaben außerdem an, dass die Herstellung einer aussagekräftigen Vergleichbarkeit der vielfältigen Produktlandschaft dabei die größte Herausforderung sei. Bis auf zwei Unternehmen wäre es trotzdem allen wichtig, auch reine Geldanlagen wie zum Beispiel Fondssparpläne in der Plattform zu erfassen.

Die Notwendigkeit bewusst machen

Scheinbar setzt die Versicherungsbranche zum Ankurbeln der privaten Altersvorsorge auf mehr Transparenz und konzentrierte Informationen. So hatte sich der GDV Anfang dieser Woche dafür ausgesprochen, dass die jährliche gesetzliche Renteninformation auch einen Hinweis auf die statistische Lebenserwartung enthalten sollte.

Dass solche Ansätze erfolgversprechend sind, hatte bereits eine andere Studie gezeigt. Ihr zufolge hat die private Altersvorsorge seit Einführung des jährlichen Rentenbescheids deutlich zugenommen.

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