BdV kritisiert "Kalkulationsgier" der Lebensversicherer

Berater von Florian Burghardt

Laut dem Bund der Versicherten treiben die Anbieter mit überhöhten Sicherheitsmargen die zu zahlenden Beiträge für Rentenversicherungen in die Höhe, um ihre Geschäftsergebnisse zu verbessern. Der GDV nimmt zu den Vorwürfen Stellung.

BdV-Chef Axel Kleinlein stört sich an den zu hohen Lebenserwartungen, mit denen die Lebensversicherer kalkulieren.

BdV-Chef Axel Kleinlein stört sich an den zu hohen Lebenserwartungen, mit denen die Lebensversicherer kalkulieren. Bild: BdV

Erst kürzlich sorgte sich Axel Kleinlein um die, aus seiner Sicht, ungerecht behandelten Lebensversicherungskunden des Allianz-Konzerns. Nun sieht der Vorstand des Bundes der Versicherten (BdV) alle Verbraucher von den deutschen Lebensversicherern benachteiligt.

In einer Pressemitteilung kritisiert der BdV die „Kalkulationsgier“ der Versicherer, die damit das Demografieproblem nur noch verschärfen würden. Konkret lautet der Vorwurf von Diplom-Mathematiker Kleinlein: „Nach unseren Berechnungen überzeichnen die Versicherer die Lebenserwartung um mindestens sechs Jahre bis hin zu über zwanzig Jahren.“

So würde in den Kalkulationen von Rentenversicherungen eine deutlich zu hohe Lebenserwartung zugrunde gelegt. Dies führe laut dem BdV dazu, dass die notwendige Prämie für eine adäquate Absicherung in die Höhe getrieben wird, um das Geschäftsergebnis der Versicherer „aufzupeppen“. Durch diese Art der Kalkulation würden die Anbieter eine effiziente Altersvorsorge verhindern und den Verbrauchern die Möglichkeit nehmen, auf das Demografieproblem zu reagieren.

Bis zu 24 Jahre zu viel absichern?

Beispielsweise beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung eines heute 60-jährigen Mannes 84 Jahre. Die Lebensversicherer kalkulieren aber mit einer Sterbetafel der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), wonach sie mit einer Lebenserwartung von mindestens 91 Jahren rechnen.

Laut den Berechnungen des BdV können sich die Versicherer sogar auf eine DAV-Tafel beziehen, die eine Lebenserwartung von 99 Jahren prognostiziert. Damit würde der Versicherungsnehmer für einen Rentenbezug von sieben bis 15 Jahren einzahlen, mit deren Erleben er nicht rechnen kann, so die Sorge der Verbraucherschützer. Dieser Puffer reiche hin bis zu 24 Jahren für einen heute neugeborenen Jungen.

Notwendiger Sicherheitszuschlag

Ein Skandal? Der GDV relativiert auf procontra-Nachfrage die Vorwürfe der Verbraucherschützer. Zwar könne man ohne eigene Berechnungen nicht sagen, ob die Zahlen des BdV stimmen. „Es ist aber alles andere als ein Geheimnis, dass die Lebensversicherer die Lebenserwartung konservativ einschätzen. Angesichts der kontinuierlich steigenden Lebenserwartung ist dies auch gerechtfertigt“, erklärte Christian Ponzel, Leiter der externen Kommunikation beim Gesamtverband.

Für den Fall, dass die Menschen länger leben als die Lebenserwartung verspricht, wird zusätzliches Kapital für die auszuzahlenden Renten benötigt. Deshalb wird die Lebenserwartung in der Kalkulation um einen Sicherheitszuschlag ergänzt, wodurch die Beiträge steigen.

Die Notwendigkeit solch vorsichtiger Berechnungen hat sich bereits in der Vergangenheit gezeigt. Wie aus DAV-Unterlagen hervorgeht, hätten gemäß der durchschnittlichen Lebenserwartung des Statistischen Bundesamts 21,7 Prozent der Männer, die im Jahr 1987 65 Jahre alt waren im Jahr 2007 ihr 85. Lebensjahr erreicht. Die Versicherer hatten mit 26,1 Prozent kalkuliert. Tatsächlich erlebten aber 32,4 Prozent ihren 85 Geburtstag. Die Versicherer mussten somit für die unerwarteten Rentenleistungen viel Geld nachschießen.

Andersherum wird überschüssiges Geld an die Versicherten zurückgegeben. So regelt § 7 der Mindestzuführungsverordnung, dass 90 Prozent der Risikoüberschüsse in Form von Rentenerhöhungen an die Versicherten zurückgehen müssen.

Der BdV fordert dennoch eine Offenlegung der „exorbitanten Sicherheitsmargen“ in Rentenprodukten gegenüber den Versicherten. 

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare