Wird Cyber zur neuen KfZ-Versicherung?

Berater Top News von Martin Thaler

Einer neuen Studie zufolge soll das Prämienvolumen bei Cyber-Versicherungen in den nächsten 20 Jahren auf über 15 Milliarden Euro steigen. Insbesondere Kleinunternehmer und Privatpersonen soll hierzu beitragen. Aktuelle Zahlen lassen jedoch Zweifel hieran aufkommen.

Laut Wirtschaftprüfungsgesellschaft KPMG soll das Geschäft mit Cyberpolicen stark zulegen.

Laut Wirtschaftprüfungsgesellschaft KPMG soll das Geschäft mit Cyberpolicen stark zulegen. Foto: KPMG

Cyber-Versicherungen haben das Potenzial, die KfZ-Versicherung als volumenstärkste Sparte im Bereich Schaden/ Unfall abzulösen. Bis 2036 soll das Cyber-Prämienvolumina in der Dach-Region, also Deutschland, der Schweiz und Österreich, auf 19,6 Milliarden Euro steigen. Alleine in Deutschland sollen die Versicherer mit Beitragseinnahmen von 15,2 Milliarden Euro rechnen können – im besten Fall seien sogar Prämieneinnahmen von bis zu 26 Milliarden Euro möglich.

Diese Zahlen gehen aus der Studie „Neues Denken, neues Handeln – Versicherungen im Zeitalter von Digitalisierung und Cyber“ hervor, die das Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG nun vorgelegt hat.  

Das Wachstum werde laut KPMG dabei nicht nur im derzeit dominierenden Industrie-Segment stattfinden. Auch bei kleineren und mittleren Unternehmen sowie bei Privatpersonen ist mit einem starken Anstieg der Nachfrage zu rechnen, wie die Grafik zeigt.  

Würde sich die Prognose der Wirtschaftsprüfer bewahrheiten, wäre das ein gewaltiger Anstieg im Vergleich zum heutigen Stand. Auf procontra-Anfrage erklärte der deutsche Versicherungsverband GDV, dass sich das derzeitige Prämienvolumen auf gerade einmal 50 Millionen Euro belaufe. Schätzungsweise. Jens Lison, für Firmenkunden zuständiger Vorstand der Allianz, schätzte im Sommer des vergangenen Jahres den Vertragsbestand bei Cyber-Versicherungen auf gerade einmal 3000 bis 4000 Verträge. Dennoch: Nicht nur KPMG, auch der GDV geht in Zukunft von einem exponentiellen Wachstum aus.  

Mut macht dabei unter anderem der „Continental Europe Cyber Risk Survey Report“, den der Industrieversicherungsmakler Marsh im vergangenen Oktober vorlegte. Diesem zufolge wächst bei den Unternehmen das Bewusstsein vor digitalen Gefahren – und zwar aus eigener Erfahrung. Dem Marsh-Report zufolge gaben 2016 25 Prozent der Unternehmen an, Opfer einer Cyber-Attacke geworden zu sein – das sind doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor. Die Dunkelziffer dürfte noch weit darüber gehen.

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