Versicherungsmarkt-Mitarbeiter wettern gegen Alkoholbann

Panorama von Martin Thaler

Beim traditionsreichen Londoner Versicherungsmarkt herrscht derzeit Unfrieden. Der Grund ist ein jüngst eingeführtes Alkoholverbot für die Mitarbeiter.

Über 300 Jahre Geschichte: Der Lloyd's Versicherungsmarkt.

Über 300 Jahre Geschichte: Der Lloyd's Versicherungsmarkt. Foto: dpa

Beim Lloyd’s of London kann derzeit wohl kaum von einem guten Betriebsklima gesprochen werden. Der Grund: Der traditionelle Versicherungsmarkt hat ein Alkoholverbot für seine Mitarbeiter eingeführt, wie der Londoner „Evening Standard“ unter Berufung auf ein internes Memo berichtet. Demnach ist es den Lloyd’s-Mitarbeitern zwischen 9 und 17 Uhr untersagt, Alkohol zu konsumieren – Verstöße können demnach zur Kündigung führen. Betroffen hiervon seien die 800 Angestellten des Unternehmens, nicht aber im Versicherungsmarkt arbeitende Makler oder Underwriter anderer Firmen.  

Der Grund für die von den Mitarbeitern als drastisch empfundene Maßnahme sei eine Auswertung aller disziplinarischen Maßnahmen Vorfälle der vergangenen zwei Jahre. Dieser zufolge war die Hälfte davon mit Alkoholmissbrauch in Verbindung zu bringen.  

Auf einer Intranet-Seite machen die Mitarbeiter nun deutlich, was sie von der Maßnahme halten. So wird der Vorwurf geäußert, dass sich Lloyd’s zur Welt-Hauptstadt der Political Correctness wandele. Ironisch wird gefragt, wann den Mitarbeitern den eine Zu-Bettgeh-Zeit vorgeschrieben werde und ob jetzt Vorgesetzte mit Alkoholmessgeräten von Tisch zu Tisch gingen. Andere Mitarbeiter vergleichen die Situation mit Orwell’s Dystopie 1984.  

Kommentatoren werteten denn Alkohol-Bann als Beispiel für den stattfindenden Wandel in der Londoner City, die geprägt ist von der Finanzindustrie. So sei angesichts drohender Stellenkürzungen bei den Banken und Versicherern ein verstärkter Wettbewerb unter deren Mitarbeitern feststellbar, so ein Kommentator. Ein klarer Kopf bei der Arbeit sei deshalb umso wichtiger.  

Der Londoner Lloyd's Versicherungsmarkt wurde 1688 in Edward Lloyds Kaffeehaus gegründet und gilt heute als weltweit führender Spezialversicherungsmarkt. Im ersten Halbjahr 2016 verbuchte das Unternehmen einen Gewinn von 1,77 Milliarden Euro.

Vollkommen auf ihr Bier oder ihren Wein müssen die Lloyd's-Mitarbeiter dann aber doch nicht verzichten. "Wenn Sie Lloyd's repräsentieren, aber nicht im Dienst sind, können Sie Alkohol trinken - die Verantwortung, sich professionell zu verhalten, liegt bei ihnen", heißt es hierzu. Weit müssen die Angestellten dafür nicht gehen. Gleich unterhalb des Lloyds-Gebäudes, also nur wenige Meter von den Schreibtischen der Angestellten entfernt, befindet sich mit der "One Under Lime" der nächste Pub. 

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